Rotel Tours Reiseblog

Reise durch Gujarat, INDIEN – Teil 1

von Marion Marema und Daniel Kempf-Seifried

Diese Reise ist nicht mehr verfügbar. Am Ende des Artikels schlagen wir Ihnen Alternativrouten vor.

Exotisch und weit weg, das hatten wir uns für unser nächstes Reiseziel festgelegt. Nicht nur die Temperaturen zwischen 27 und 30 Grad Celsius lockten uns, sondern auch die Tatsache, dass dieser Landesteil Indiens noch recht unbekannt im Tourismus ist.

Über dem Wirtschaftszentrum Ahmedabad brütete eine starke Sonne bei diesigem Himmel. Die Stadt ist bekannt für die höchste Dichte an Zweirädern in Südasien, doch auch PKWs und bunt geschmückte LKWs tummeln sich neben herumstreunenden Hunden, heiligen Kühen und Elefanten auf den Straßen. Plötzlich realisieren wir, dass wir mitten in einer völlig fremden Welt stehen. Um uns herum herrscht Chaos und Lärm.

Lektion 1 für den ersten Tag

Indien ist nicht Italien. In Bella Italia fahren die Autofahrer vorausschauend und bremsen wenn man andeutet die Straße zu betreten. In Indien halten die Kraftfahrer jedoch nicht und es kann wirklich sehr sehr knapp werden.

Nach einer informativen Besichtigungstour des Stadtzentrums besichtigten wir unter anderem auch die spektakuläre Jama Masjid Moschee, welche als eine der schönsten Moscheen Indiens gilt.

In einem angenehm schattigen und ruhigem Freiluft Restaurant verarbeiten wir danach unsere ersten Eindrücke mit Chai und netten Gesprächen mit den Mitreisenden. Die Mehrheit war nicht zum ersten mal mit Rotel Tours unterwegs und so hatte jeder die spannendsten und aufregendsten Abenteuergeschichten auf Lager.

Frisch gestärkt machten wir uns mit dem TukTuk, einem dreirädrigen, motorbetriebenen Gefährt, welches wie ein Rasenmäher klingt, auf zum Gandhi Sabarmati Ashram, in dem Mahatma Gandhi von 1917 bis 1930 gelebt hat.

Dort angekommen finden wir uns wieder in einer Unmenge an fröhlichen uniformierten Schulkindern. Ein Drittel der Bevölkerung in Indien ist unter 15 Jahre alt. Wir sind die Exoten in diesem Land und so umscharten uns die Kinder schnell. Jeder wollte ein Foto. Oft wurde gar nicht gefragt und man hielt mir einfach das Smartphone vors Gesicht für ein schnelles Selfie. Nachdem wir gefühlt tausend kleinen Schulmädchen die Hand geschüttelt haben, kamen andere mit kleine Blöcken und Stiften um nach Autogrammen zu fragen. Der wunderschöne Gandhi Ashram, rückt so für einen Moment in den Hintergrund und wir genießen das unbeschwerte Leben.

Die Abenddämmerung hält langsam Einzug und der Wind transportiert die Klänge von Trommeln und Trompeten zu unserem Übernachtungsplatz. Plötzlich kracht es laut und ein prächtiges Feuerwerk funkt am Himmel auf. Direkt gegenüber von unserem Hotel findet eine hinduistische Hochzeitszeremonie der Superlative statt. Neugierig gehen wir hinüber um dem bunten Treiben zuzusehen. Sofort werden wir von den Einheimischen aufgenommen und in die Mitte der Prozession in Richtung Hochzeitslocation geschoben. Die prachtvoll geschmückten Frauen tanzen im Kreis und machen dabei entzückende, orientalische Handbewegungen wie man sie aus den berühmten Bollywood Filmen kennt. Weiter hinten nähert sich eine prunkvolle Pferdekutsche, aus der Braut und Bräutigam winken. In dieser atemberaubenden Aufmachung wirken die beiden fast wie König und Königin.

Bei dieser „Brahman Hochzeit“ wurde auf keine Tradition verzichtet. Die Zeremonie ist überaus aufwendig in den Vorbereitungen und in der Durchführung und dauert oft bis zu drei Tagen. Teil der Zeremonie sind Askese Übungen, Reinigungen, Rauch, Feuer und Segnungen, welche allesamt von einem Hindu Priester durchgeführt werden.

Die Menschen im Gujarat haben eine sehr neugierige Natur und kennen keine Scheu, so gewöhnt man sich schnell daran viele Interviews zu geben. „Where are you from?“, „What is your name?“, „Do you like India?“ um nur einige Beispielsätze der gastfreundlichen Gujaratis zu nennen.

Die erste Nacht im Rotel ist immer etwas ganz besonderes. Von den vielen unterschiedlichen Eindrücken sind wir noch ganz aufgewühlt und schlafen voller Vorfreude auf die kommenden Tage ein.

Die Rundreise durch den indischen Bundesstaat Gujarat hat einige Besonderheiten, die bei Rotel Tours sonst nicht üblich sind. So finden wir uns am nächsten Morgen nicht an den geliebten Klapptischen beim selbstbereiteten Camping Frühstück, sondern, wie des öfteren auf dieser Reise, am reichhaltigen Frühstücksbuffet mit Obst, English Breakfast, frisch zubereiteten Eiern und einer reichhaltigen Auswahl lokaler Köstlichkeiten.

Nach zwei Tagen Großstadt sitzen wir nun abfahrbereit im Rotel Bus. Allein das Ausparken mit diesem aufsehen erregendem Gefährt ist ein Schauspiel für sich. Wir besichtigen den Laxmi Villas Palace in Vadodara. Der Palast ist gigantisch und man kann seine Ausmaße kaum fassen, geschweige denn fotografieren und fahren dann vorbei an einer interessanten archäologischen Ausgrabung zu unserem nächsten großen Ziel, Palitana.

Jenseits des Gartens erhebt sich der ferne Berg Shatrunjaya, einer der vier heiligsten Berge der Jain. Am Morgen, wenn Nebel die Täler noch mit Nebel gefüllt sind, begeben wir uns auf den Weg durch die Dörfer am Fuße des Tempelberges. Vorbei an indischen Windhunden mit schwebendem Trab und Wildschwein Familien auf der Suche nach Fressbarem. Wir nutzen das Morgengrauen aus, um nicht der tropischen Gluthitze ausgesetzt zu sein.

Nach einem zweistündigen Aufstieg befinden wir uns inmitten der Tempelstadt und staunten nicht schlecht über die Herrlichkeit dieses mystischen Ortes, welcher zu großen Teilen aus Marmor gefertigt wurde. Die Anhänger der Jain Religion sind ausgesprochen freundliche und friedlebende Menschen. Schnell kommen wir ins Gespräch und man erklärt uns bereitwillig die unterschiedlichen Bräuche. Viele Jains leben heute in Mumbai und pilgern, wenn möglich, einmal im Monat zum heiligen Berg Shatrunjaya.

Jainas ernähren sich ausschließlich so, dass weder Tiere noch Pflanzen dafür sterben müssen. Auch Berufe in der Landwirtschaft oder gar Kriegshandwerk kommen für sie nicht in Frage. Bedingt durch diese Prinzipien entstand im Gujarat die wohl weltweit vielfältigste und schmackhafteste vegetarische Küche.

Unser nächstes Etappenziel war die Insel Diu, einer ehemaligen portugiesischen Exklave, mit eindrucksvollen Wasserburgen, Kanonenrohren, aber auch wunderschönen Sandstränden die zum Baden in der Brandung des arabischen Meeres einladen. Die Insel ist auch eine der wenigen Möglichkeiten Alkohol zu kaufen und öffentlich zu trinken, da Gujarat ansonsten ein trockener Bundesstaat ist. Als Ausländer gibt es die Möglichkeit ein „Liquor Permit“ zu erwerben und dann in Ahmedabad in einem lizenzierten „Wine-Shop“ Alkohol zu kaufen. Das Ganze ist ein bürokratischer Kraftakt und erfordert das Ausfüllen einiger Dokumente und endet mit einem Stempel im Reisepass.

Bei einem Bummel durch die Altstadt mit ihren kleinen Gässchen und hübschen Kolonialbauten, erwerben wir noch die zwei angesagtesten indischen Musik CDs, bevor wir weiterreisen in den Sasan Gir Nationalpark.

Auf dem Weg dorthin stoppen wir bei dem malerisch am Meer gelegenen Shiva Tempel Somnath. Um das Heiligtum herum, hat sich bereits eine kleine Tourismus Industrie aufgebaut, wie man sie in diesem Landesteil Indiens eigentlich selten sieht. Darüber hinaus gibt es jede Menge kleiner Restaurants um sich bei einem Snack oder bei einer Thumbs-Up, der indischen Version von Coca Cola zu stärken. Auch Kamelreiten am Meer entlang ist hier ein beliebter Freizeitvertreib für Touristen als auch Einheimische.

Wir sind gerade dabei noch ein paar schöne Aufnahmen zu machen, als uns ein Inder plötzlich die aktuelle Zeitung vors Gesicht hält. Wir nehmen die Tageszeitung und schauen verblüfft auf das Titelblatt. Haben wir es doch tatsächlich mit dem Rotelbus in die indische Presse geschafft. Sogar ein Foto von unserem Vehikel ist abgedruckt.
Bei sämtlichen Toilettenpausen und Fotostopps, versuchen wir mit der Hilfe der Einheimischen, den Text zu verstehen, was nicht so ganz einfach ist, denn in Indien sind über 100 unterschiedliche Sprachen verbreitet. Letztendlich können wir die finale Übersetzung wie folgt präsentieren:

„20 Mitglieder einer deutschen Familie besuchen Indien. Für die Reiseabsichten wollen sie niemanden stören, deshalb benutzen sie dieses moderne Vehikel welches von außen wie ein schwerer LKW aussieht, aber von innen modernste Technik aufweist. Als der Truck am Diu Highway stoppte, sah ein Reporter von Diu Newspaper spontan das Gefährt und machte ein Foto. Die Gäste sind ohne indischen Reiseführer unterwegs und machen ihre Reise völlig alleine. Einzig und allein mit Unterstützung ihrer modernen Technik.“

Wir konnten uns Ewigkeiten über diese Ansichten amüsieren!

Bei einem Stop bei einer Raststätte versorgen wir uns mit Softdrinks und Snacks. Als wir wieder reisefertig auf unseren Plätze im Bus saßen kamen zwei junge indische Männer in den Bus und zückten die Smartphones. Wir staunten nicht schlecht, während wir von den freundlichen Eindringlingen seelenruhig gefilmt und fotografiert werden. Wie so oft auf dieser Rundreise fragten wir uns, wer hier eigentlich die Touristen sind. In keinem anderen Land wird man so oft fotografiert und gefilmt wie im Gujarat.

Im nächsten Teil dieser Reportage geht es dann weiter mit einer Safari durch den Sasan Gir Nationalpark. Der einzigste Ort an dem man noch wilde asiatische Löwen beobachten kann.

 

2 KommentareHinterlassen Sie einen Kommentar

  • Sehr schöne Foto, sie machen Lust auf mehr! Ich war berufich vor fast 10 Jahren in Indien. Wir haben im Gästehaus des Kunden übernachtet und wurden spontan zu einer Hochzeit eingeladen, welche dort stattfand. Das war ein unvergessliches Erlebnis. Ein Reise mit Rotel nach Indien steht bei mir ganz oben au der Wunschliste.

  • Indien muss toll sein. Wir leben jetzt seit einige Jahren in Kenia und haben Indien auf unserer Liste für den nächsten Urlaub. Danke für die vielen Infos und die schönen Bilder.
    Auch wenn wir hier bei uns in Kenia viele Inder haben, muss es in Indien doch komplett anders sein, wir sind gespannt.

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