Rotel Reiseblog

Mit Rotel Tours durch Rajasthan

Wenn Sie schon einmal in Indien / Rajasthan waren, dann können Sie verstehen, dass man das Land nach einer Reise so oder so in seinem Herzen behält.

Die unglaubliche Armut, der Schmutz, der Müll, der Lärm, das Elend, die großen, leeren Kinderaugen, der chaotische Verkehr… die Liste auf der einen Seite könnte man noch verlängern; doch selbstverständlich zieht einen Indien auch anderweitig in seinen Bann: Die vielen strahlenden, fröhlichen, lachenden Gesichter, eine Architektur, die Geschichte atmet, die Harmonie, Raffinesse und höchste Kunstfertigkeit vereint, Märkte, Kleidung  und buntes Treiben auf den Straßen in einer Farbenvielfalt, die ihresgleichen sucht. Ein unglaublich ambivalentes Land, das in seinen krassen Gegensätzen niemanden kalt lässt, ein Land, das jeden Besucher emotional rüttelt.
Und es lag eine gewisse Nostalgie auf unserer Reise durch Rajasthan, war es doch die letzte, die in dieser Form von Rotel angeboten wird. Die Rajasthan Tour wird ab 2018 mit Zentralindien kombiniert, neue Higlights sind dadurch enthalten, einige Ziele sind aber nicht mehr im Programm. Und so waren wir, die 20 Gäste auf dieser Rundreise, die letzten, die mit Rotel Rajasthan auf dieser klassischen Route noch kennenlernen konnten.

Was waren nun die Höhepunkte auf dieser eindrucksvollen, Herz und Sinn berührenden Reise durch Rajasthan?

Ich tu mir schwer, einzelnes herauszupicken. Selbstverständlich ist das legendäre Pushkar-Fest unbedingt eine Erwähnung wert. Einmal im Jahr wird das ruhige und beschauliche Pushkar in Rajasthan von Pilgern und Kamelen belagert. Abertausend Wallfahrer, Viehändlern – und selbstverständlich auch Touristen halten sich dann zur Vollmondzeit im Oktober/November im Ort auf. Dann findet auch der große Kamelmarkt Pushkar Mela statt. Was sich hier dem staunenden Betrachter an Farben, Gerüchen und Eindrücken bietet, ist schier unbeschreiblich. Um uns einen ganzen Tag an diesem Treiben teilhaben zu lassen, wurde die Rotel-Reise für diesen Termin extra um einen Zusatztag verlängert. Selbstverständlich nahmen wir dieses Angebot alle dankbar an und stürzten uns in das Getümmel. Die Übernachtung in der Wüste Kuri, der Kamelritt bei Sonnenuntergang und das anschließende Folkloreprogramm im hellen Schein  des Vollmondes wird allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. Am nächsten Morgen war ich schon in aller Herrgottsfrühe  mit meiner Kamera auf den menschenleeren Dünen unterwegs, um den Sonnenaufgang in der Wüste nahe der pakistanischen Grenze zu erleben.
Die vielfältige Architektur in Rajasthan, geprägt von verschiedensten Kulturen und Religionen im reißenden Strom der Zeiten, sorgte immer wieder für begeistertes Staunen. Der Taj Mahal, ein  Traum in weißem Marmor, wird mir unvergesslich bleiben. Dieses Grabmal  ließ Großmogul Shah Jahan zum Gedenken an seine im Jahre 1631 verstorbene große Liebe Mumtaz Mahal erbauen.
Viele geschichtsträchtige Bauwerke und Orte besuchten wir auf dieser Reise. Raj Gat zum Beispiel, an den Ufern des Yamuna in einem schönen Park gelegen. Dort erinnert ein einfacher Quader aus schwarzem Marmor daran, dass an dieser Stelle Mahatma Gandhi nach seiner Ermordung im Jahr 1948 verbrannt wurde. Hier wurden auch Indiens erster Premierminister, Jawahrlal Nehru und seine Tochter Indira Gandhi eingeäschert. Trutzige Burgen und Festungen, zum Teil bestens erhalten oder hervorragend restauriert, zeugen von kriegerischen Auseinandersetzungen der Rajputen mit den eindringenden Muslimen. Diese Kämpfe wurden immer wieder mit großer Grausamkeit geführt. Stand eine Festung vor dem Fall, verbrannten die Frauen und Konkubinen der Rajputen sich selbst, bevor die Männer im aussichtslosen Kampf fielen. Vor diesem schrecklichen Freitod hinterließen die Frauen als letzten Gruß – den man heute noch sehen kann –  ihren Handabdruck im Lehm der Burgmauern. Die stolzen Festungen Amber oder Chittorgarh zum Beispiel besichtigten wir ausführlich.
Ein charakteristisches Bauelement der indischen, besonders der hinduistischen  Architektur sind die Chattris, kleine, seitlich offene Pavillons, die dort errichtet wurden, wo es zur Feuerbestattung bedeutender hinduistischer Persönlichkeiten, z.B. Maharajas,  gekommen war. Diese Chattris besichtigen wir an mehreren Stationen unserer Reise.
Unglaubliche Tempelanlagen zogen uns ebenso in ihren Bann. In Ranakpur z.B. steht einer der schönsten und zugleich bedeutendsten Jaintempel von Indien. Weißer Marmor durchzieht die Anlage, die insgesamt sage und schreibe 1444 Säulen im Haupttempel aufweist. Eine Besonderheit daran ist, dass jede Säule unterschiedlich gestaltet wurde. Wir waren Zeugen religiöser Zeremonien in hinduistischen Tempelanlagen, besichtigten einen Sikh-Tempel und erlebten gleich daneben eine riesige Massenausspeisung für bedürftige Menschen.
Ein weiterer interessanter Sakralbau, den wir uns ansahen, war der Bahai Tempel in Neu Delhi,  der wegen seiner charakteristischen Form Lotusempel genannt wird. Das Gebäude wurde am 24. Dezember 1986 eröffnet und gewann seitdem zahlreiche Architekturpreise.

Eine Besonderheit dieser Reise war, dass wir mit unserem Bus nicht auf Campingplätzen übernachteten, sondern immer bei Hotels. Abends blieb die Rotelküche geschlossen, denn es gab für uns in den Hotels immer ein reichhaltiges Buffet mit typisch indischen Gerichten. Nichtsdestotrotz (oder vielleicht deshalb, ich war ja auf den Geschmack gekommen)  „wagte“ ich es oft, mich zur Mittagszeit ins Getümmel des indischen Alltags zu stürzen und bei den zahlreichen Garküchen zu essen. Festzuhalten ist, dass keiner der Gäste Probleme mit dem indischen Essen hatte, es gab während der dreiwöchigen Reise keinen einzigen Krankheitsfall.
Sehr erfreulich fand ich es, dass auf dieser Reise viele engagierte Fotografen mit dabei waren, ich erhielt von Mitreisenden viele wertvolle Fototipps und konnte meinerseits auch einige Erfahrungen weitergeben. Die Leistung unseres Fahrers verdient höchstes Lob, im unglaublichen Verkehrschaos, das zum Teil auf indischen Straßen herrscht, behielt er stets die Ruhe und die Übersicht. Seine souveräne, verlässliche Fahrweise trug wesentlich zur gelungenen Reise bei. Sehr engagiert und motiviert war unsere Reiseleiterin am Werk, sie ließ es sich nicht nehmen, an fast allen Punkten dieser Reise persönlich zu führen und ließ uns an ihrem großen Wissen und an den vielen Erlebnissen, die sie mit Indien verbindet, teilhaben.

Mein Fazit an alle, die eine Indienreise auf ihrem Radar haben:

Das Land ist unbedingt eine Reise wert, die vielfältigen Eindrücke erweitern den eigenen Horizont ungemein, bleibende Erinnerungen im Herzen sind garantiert.

von Karl-Heinz Schein
 
      

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