Rotel Reiseblog

Mit Rotel 5 Wochen durch Chile und Argentinien

Ich heiße Andreas, bin 35 Jahre alt und wollte mir mit dieser großen Südamerika Reise durch Chile und Argentinien einen Kindheitstraum erfüllen, ins Land der unendlichen Weiten, der unberührten Natur, der weltberühmten Fußballer (Messi und Maradonna), der Gauchos, Guanakos, Condore und des Matetees reisen. Außerdem bin ich im Urlaub gern in südlichen, oft spanischsprachigen, Ländern unterwegs und lasse mich von der Lebensfreude der Menschen anstecken. Ich bin neugierig darauf, wie die Menschen hier im südlichen Südamerika leben – welchen Lebensstandard haben sie, welche Kultur und welchen  Lebensstil pflegen sie, was, außer hervorragendem Fleisch, gibt es zu essen? Nicht zuletzt will ich unserem gefühlt halbjährigen Winter in Deutschland einen guten Monat „entfliehen“ und mal ein argentinisches Steak vor Ort essen.

Die meisten Reisen machte ich sonst zusammen mit Freunden. Als ich einmal als Backpacker alleine in Spanien unterwegs war, machte ich die Erfahrung, dass der Urlaub abwechslungsreicher ist, ich lernte interessante Menschen kennen, war unternehmenslustiger und uneingeschränkter. Ich mag es auch nicht, „Urlaub von der Stange“ zu buchen, wie z.B. Kreuzfahrten, welche Hauptsächlich Orte ansteuern, die von Massentourismus geprägt sind. Mir geht´s darum, Land und die Leute kennenzulernen, möchte mich eher mit Einheimischen austauschen als mit Touristen. Rotel ist daher für mich ideal. Ich komme sowohl zu den Hauptattraktionen als auch „raus aufs Land“ und kann an außergewöhnlichen Orten wie im Regenwald, nahe der Gletscher oder direkt am Meer übernachten und bestes argentinisches Steak oder Lachs vom Grill mit Meerblick und Musik essen.

Das Packen

In der Reisebeschreibung von Rotel Tours steht, im Breitengrad von Santiago de Chile und Buenos Aires wäre mit höheren Tagestemperaturen zu rechnen. Im Süden wäre das Wetter dem von Skandinavien sehr ähnlich. Also besorgte ich mir zu meiner Wanderhose/Schuhe noch ein warmes langärmliges Merinowolle-Unterhemd, einen warmen Kapuzenpulli und ein langärmliges feuchtigkeitsregulierendes Sportunterhemd. Ich hatte sowohl für über 30 Grad Celsius als auch für Temperaturen nahe des Gefrierpunkts gepackt. Außerdem hatte ich eine Reiseapotheke dabei. Mein Reisekoffer fasste 20 der erlaubten 23 Kilo, was, wie sich im Nachhinein herausstellte zu viel war, ich hätte weniger Sweatshirts, T-Shirts gebraucht. Das wichtigste waren eine windabweisende, warme oder wärmeregulierende Jacke, ein warmes Sweatshirt, die Wanderhose und die Wanderschuhe. Für warme Tage hatte ich eine Badehose, Baumwoll- und Multifunktionsshirts und 2 kurze Hosen dabei. Ich nahm 600 EUR mit (brauchte aber nur ca. 400 EUR incl. Souvenirs), um es vor Ort in chilenische oder argentinische Pesos tauschen zu lassen. Es ist günstiger vor Ort als in Deutschland zu wechseln.

Die Hinreise

Der Rotel-Treffpunkt war Frankfurt. Von Frankfurt flogen wir 1 Std. nach Amsterdam, dort hielten wir uns 2 Std. auf, bevor wir in 13 Std. nach Buenos Aires flogen, dort 2 Std. Aufenthalt hatten und nach weiteren 2,5 Std. Flug in Santiago de Chile landeten.

Das erste Treffen mit der Rotel Reisegruppe: Es sind hauptsächlich ältere Leute dabei, ich dachte der jüngste zu sein, es sind aber noch 2 junge Damen im Alter von ca. 25-30 dabei. Das war mir vorneweg bewusst, die meisten „Jüngeren“ bekommen nicht 5 Wochen Urlaub am Stück, die Reise dauert ja nun mal 35 Tage .
Meine Mitreisenden sind sehr interessante und interessierte Leute. Manche sind dabei, um schöne Fotos zu schießen, andere zum Genießen und Entspannen, Runduminteressierte welche mal aus dem Alltag ausbrechen und unbekanntes Terrain erkunden wollten, andere wegen der Tier- und Pflanzenwelt, manche, um Leute kennen zu lernen und sich auszutauschen. Mir war vor allem wichtig, neue Eindrücke über das Leben in Argentinien und Chile zu gewinnen, deren Kultur, Traditionen und Leben kennen zu lernen. Einige reisten schon mehrere Male mit Rotel und waren sehr von der Art des Reisens mit Rotel überzeugt.

Unser Rotel Reiseleiter ist ein gebürtiger Deutscher, der selbst in Südamerika/Brasilien lebt, jeden Strauch und Stein auf der insgesamt 11000km langen Strecke kannte und das Leben in Südamerika selbst verkörperte. Er sprach perfekt Spanisch und kannte sich mit kulturellen, geschichtlichen und örtlichen Gegebenheiten perfekt aus. Außerdem konnte er sehr gut kochen Er schaffte es immer Abwechslung reinzubringen und steuerte mit jahrzehntelanger Erfahrung und Routine das Geschehen.

Unser Rotelbus Fahrer ist ein gebürtiger Argentinier, welcher zweisprachig aufwuchs (lebt soweit ich das richtig verstand im Sommer in Deutschland und im Winter in Argentinien), der sowohl erfahrener Busfahrer und ausgebildeter Koch war. Ein wahres Allroundtalent, nicht nur, weil er sich technisch am Bus super auskannte und uns immer ein sicheres Gefühl gab, er verwöhnte uns auch jeden Tag mit einer neuen leckeren, reichhaltigen Mahlzeit, regelte wie auch der Reiseleiter viele Anliegen der Reisegäste und er gesellte sich auch abends nach seinem oftmals langen Arbeitstag unter die Gruppe und erzählte interessante Geschichten. Er machte seinen Job, wie der Reiseleiter auch, mit absoluter Überzeugung. Am meisten beeindruckte mich das Rangieren auf eine Fähre, er fuhr rückwärts über eine lange Brücke mit unseren 29 Meter langen Gespann (Bus und Anhänger), ehe er dann über eine Mulde eine Kurve einschlug, um zentimetergenau neben einen Laster einzuparken.

Unser Rotel Bus ist ein sehr gut motorisierter Allradbus mit über 500 PS, welcher alles mitbrachte, um sich den Herausforderungen dieser Tour zu stellen. Er war geländetauglich, eine Art Zwitter zwischen komfortablen Bus und Lastwagen. Das speziell für Rotel gebaute Gefährt hatte sehr viel Ausstattung an Board: Küche, jegliche Art von Ersatzteilen und Ersatzgeräten, um für jegliche Eventualitäten gut vorbereitet zu sein. Sogar am Dach des Gefährts war Ausstattung verstaut. Mit normalen Geländeautos wären wir nicht zu unseren Zielen gekommen.

Was das Schlafen im Bus betrifft, war ich anfangs skeptisch, so reiste ich noch nie. In den ersten Tagen verwendete ich auch Ohrenstöpsel. Schon in der dritten Nacht versuchte ich ohne Ohrenstöpsel zu schlafen und schlief auch die gesamte Reisedauer sehr gut. Mich unterschied zu den anderen Reiseteilnehmern, dass ich einen kleinen Hüttenschlafsack dabei hatte. Grund dafür war, ich weiß mit meinem eigenen Bettzeug genau, die Temperatur zu haben, die ich gewohnt bin. Das Schlafen ist zweckmäßig, man kriecht rein, schläft und morgens wenn man aufwacht zieht man sich an, nutzt die für Rotel reservierten sanitären Anlagen am Campingplatz und startet in den Tag, wie es jeder für sich selbst am besten findet. Ich ging öfters mal vor Frühstück, das meistens um 7 Uhr war spazieren, fotografierte den Sonnenaufgang oder saß mich einfach irgendwo hin und beobachtete das Geschehen. In der Kabine war so viel Platz, dass ich auch meinen Laptop, Kamera, Essensgeschirr, Kleidung für die nächsten 2-3 Tage verstauen konnte. Am Kabinenende hat jeder sein eigenes Fenster (mit Moskitonetz und Vorhang), das man kippen kann, um frische Luft reinzulassen. Meine Kabine war oben, weil ich auch in Stockbetten lieber oben schlafe.

Aus meinem Reisetagebuch

Santiago de Chile ist die Hauptstadt des am weitesten entwickelten Landes in Südamerika. Chile ist das Land der Extreme, der Vulkane und Erdbeben, in dem sowohl Wintersport als auch (Sonnen-)Baden möglich ist. Santiago ist eine zwischen zwei schneebedeckten Andengipfeln gelegene Stadt auf dem Breitengrad 38 Süd was in Europa ungefähr Athen entspricht. Sie ist unglaublich lebendig. Wir besuchen den höchsten Punkt und die Kathedrale. Auf dem Hauptplatz tummelt sich die ganze Stadt zum Malen, Schachspielen, Schlafen und Schnattern. Wir fahren durch das chilenische Zentraltal, die vom Erdbeben zerstörte Stadt Chillan und beobachten die chilenischen Wasserfälle nahe der Panamericana. Wir fahren durch eine Engstelle, an der zwei Bergketten fast zusammentreffen. Links die Anden rechts die Küstenberge. Im Hintergrund sieht man Hügel, die aussehen wie in der Steppe. Manche Hügel haben mannshohe Kakteen.
Unser nächster Stopp ist Chillan mit seinem Markt. Es gibt wunderbare Stände mit Obst und Gemüse. Auch verschiedene Souvenirartikel sind zu finden. Die 30 Grad laden uns ein, einen Badeort zu besuchen mit riesigen Wasserfällen.
Wir brechen nach Tumenco, einem Ort mit Chiles größtem Markt auf. Wir überqueren unter anderem den Biobio – einen breiten Fluss, der eine bedeutende Rolle in der Geschichte spielt. Haben wir gestern noch landwirtschaftliche Flächen und Felder durchquert, wandelt sich die Landschaft jetzt zu Wiesen und immer mehr Wälder. Vor allem aufgeforstete Kiefern- und Eukalyptuswälder. Wir machen einen Fotostopp in einem kleinen Dorf. Unser Reiseleiter erzählt uns die Geschichte von Pedro de Valdivia und den Maputchen, von den Conquestadoren und den Aufständen der Einheimischen. Haben wir gestern noch landwirtschaftlichen Flächen und Felder durchquert, wandelt sich die Landschaft jetzt zu Wiesen und immer mehr Wälder. Vor allem aufgeforstete Kiefern und Eucalyptus. Auf der Fahrt nach Pucon passieren wir sehr viele Vulkane. Wir sind bereits am Feuerring. Links und rechts der Straße sind jetzt kleine Wäldchen mit Bambus zu sehen. Wir verlassen die Panamericana und fahren direkt auf den Villarica zu. Der Vulkan liegt direkt an einem See. Wir halten an einer Brücke, um schöne Fotos zu machen. Nach 10 Minuten geht es weiter nach Pucon, das direkt an diesem See liegt. Hier ist alles voller schwarzer Vulkanasche. Alle Pflanzen sind damit bedeckt. Der Himmel ist wolkenlos bei 30° und der Vulkan raucht. Überall blühen die Hortensienbüsche.
Es ist angeblich nicht weit bis zu einer Kneipe, an den See oder in die Stadt. Es soll guten Pisco Sour geben, einen leckeren süßsaueren Limettenschnaps, der hier Nationalgetränk ist.
Wir fahren nach Loncoche zu. In diesem Gebiet gab es 1960 das stärkste jemals gemessene Erdbeben der Stärke 9,5, das große Zerstörung angerichtet hat. Auch die Landschaft wurde dadurch beeinflusst. Immer öfter sieht man Verwerfungszonen, in denen Wasser steht und Binsen aufragen. Es sind Binnenseen, die Salzwasser enthalten (durch den Tsunami). Zusätzlich wurde die Erde auf 2000 km Länge um 20 Meter verschoben. Viele Familien sind nicht mehr zurückgekehrt. Auf der Fahrt erzählt der Reiseleiter wieder über die Mapuche und liest und aus dem Buch von Klaus Bednarz vor. Er hat eine tolle Vorlesestimme. Langsam aber sicher kommen wir zum valdivianischen Regenwald.
Wir passieren die Ponte Cruz, die über den Rio Cruzes führt, der nach Valdivia fließt und gelangen in die Region „Los Siete Lagos“. Wir machen einen Fotostopp bei einer wassergefüllten Erdverwerfung. Hier wachsen wunderschöne Victoria-Seerosen. Wir haben 12 Uhr. Es fängt an zu regnen. Wir sind ja auch im Regenwald. Pünktlich als es aufhört zu regnen, kommen wir in Valdivia an und haben die Möglichkeit, uns ins Markttreiben zu stürzen. Der Mercado bieten reichlich Muscheln und diverse Fischsorten an. Nach einiger Zeit taucht linker Hand der Vulkan Osorno aus dem Dunst auf. Die Kuppe des perfekten Kegels ist vom Gletscher bedeckt und makellos weiß. Es ist erst 10000 Jahre alt, also noch relativ jung. Überall ist Fleckvieh. Rechter Hand taucht der Calbucu auf, ein anderer Vulkan, der aber im Gegensatz zum Osorno raucht. Wir übernachten am Llanquhuesee am Strand. Der Sand besteht aus Vulkanasche und Sand. Er ist schwarz.
Osorno – Insel Chiloe
Wir lassen den Hänger auf dem Campingplatz und fahren in Richtung Osorno. Im Morgenlicht erstrahlt der Tau auf den Wiesen. Erhaben thront der Vulkan über der Landschaft. Zarter Nebel liegt auf dem Llanquiteu und in der Ferne lässt sich das andere Ufer erahnen. Auf den Wiesen suchen die Banduras nach Futter und überfliegen die Landschaft. Der Himmel ist wolkenlos. An der Landstraße halten wir. Der Vulkan steht vor uns bei fantastischem Licht. Nebenan stehen Lamas. Am Straßenrand wachsen Nalkas (riesige, wilde Rhabarberart). Wir fahren über eine schmale Landstraße, links und rechts davon ist Regenwald. Nebel liegt zwischen den Blättern und die Bäume und Pflanzen sind aschebedeckt. Vor dem Busfenster weicht der Wald immer wieder zurück und lässt den Blick auf einen breiten Fluss zu. Die Landstraße wird zur Schotterpiste. Wir erreichen die Stromschnellen des Petrohue. Ein einmaliges Panorama! Ich könnte hier Tage verbringen und kann mich kaum von diesem Anblick trennen. Das reißende Wasser schießt durch die Steine und die kleinen mit Bäumen bewachsenen Felsblöcke. Es raucht und tost in den Ohren. Nach für mich viel zu kurzer Zeit fahren wir weiter zum Smaragdsee. Er macht seinem Namen mit glitzerndem türkisfarbenem Wasser alle Ehre. Es gibt die Möglichkeit, mit einem Boot über den See zu tuckern, was ich und die fast gesamte Reisegruppe dann auch taten. Wir fuhren ca. 3 Std. mit dem Boot auf eine kleine Insel, auf der der Seehunde, Möwen und viele Zwergpinguine zu Hause sind. Über den Wolken sah ich das erste Mal einen Condor. Ohne einen Flügelschlag kreisen sie in der Höhe. Unter strahlenden Sonnenschein können wir das Kegelspiel der vielen Vulkane betrachten. Wir wollen über den Chacau-Kanal übersetzen. Die Fahrt dauert wohl eine halbe Stunde. Die Fahrt war toll. Meterhohe Wellen und man kann die Albatrosse vom Wasser starten sehen. Über uns kreisen die Möwen. Jetzt sind wir auf Chiloe, der Insel der Möwen und haben Patagonien erreicht. Unser Lager haben wir heute in der Nähe von Ancud bei einer Familie mit riesigem Garten. Ich habe einen ersten Blick auf den Pazifik werfen können. Um das Haus herum soll es einen Strand und ein Kliff geben. Nach dem Abendessen, es gibt einen mir nicht bekannten Fisch, der sehr lecker schmeckt, gehen wir mit einer Flasche Pisco Sour zum Strand und genießen den Sonnenuntergang.
Insel Chiloe
Der Wettergott ist uns gewogen. Trotzdem muss ich heute schon lange Sachen anziehen. Wir nähern uns dem Südpol. Der Wind ist beißend kalt und schneidend – kein Wunder, wir sind ja schon am Pazifik. Nach kurzer Fahrt erreichen wir Ancud. Die Häuser sind mit bunten Holzschindeln verziert. Die Zeit reicht für einen kurzen Besuch des Forts, das bis auf ein paar Kanonen nicht viel zu bieten hat. Allein der Ausblick auf die Bucht ist wunderschön. Ein paar Meter unter uns sucht ein Silberreiher den seichten Grund ab. Auch hier sind einige Händler, die jedoch alle erst ihre Stände aufbauen. Chile wacht erst ab 10-11 Uhr auf. Wir fahren weiter zur Plaza Central. Dort gibt es ein kleines Regionalmuseum, eine moderne Kathedrale und einen kleine, grünen Platz mit Statuen und Erklärungen zur chilenischen Mythologie, unter anderem über Trauco und die Pintoya. Viele der Cafes und Restaurants tragen Namen aus der Mythologie. Um 11:30 Uhr öffnet das gepflegte Museummit einer Ausstellung zur Schifffahrtsgeschichte, regionaler Kunst und Handwerk. Im Freilichtmuseum ist ein 1x1m großer Meteorit und das originale Schiff zu sehen, mit dem Captain Williams durch die Magellanstraße gesegelt ist. Außerdem hat man einen tollen Blick auf Araukarien und die Bucht. Gerade lässt eine Möwe eine Krabbe neben mir aufs Pflaster fallen. Durch den Aufprall wird die Schale geknackt und das Schlemmen kann beginnen. Unter einem kleinen Dach sind Blauwalknochen zu bestaunen. Ein einziger Wirbel ist einen halben Meter groß – sehr beeindruckend! Neben dem Museum ist ein Steinmetzbetrieb, dessen Statuen der lokalen Mythologie die Plaza schmücken. Der nächste Stopp ist an einer aus Holz (Zypresse), in der hier üblichen Bauweise erbauten Jesuitenkirche. Der Holzbau ist in sich verkantet worden und hält ohne einen einzigen Nagel. Anschließend besuchen wir die Stadt und gehen essen. Ich bestelle eine Empanada, eine gefüllte Teigtasche. Im weiteren Streckenverlauf sehen wir faulenzende Robben, die sich in der Sonne räkeln, nistende Kormorane, Albatrosse, Geier, irgendeine Entenart, von unser Guide Klaus begeistert ist, und Pelikane. Auf dem Rückweg werden wir von Delfinen verabschiedet und sehen einen heiligen Berg der örtlichen Indios. Der Abend klingt aus mit gutem chilenischen Cabernet Sauvignon und einem Schlückchen Pisco Sour.
Insel Chiloe – Chalten
Der Tag beginnt wieder mit strahlendem Sonnenschein. Heute machen wir eine Tour rund um die Insel von Cinche nach Mastro am „Mare interior“ entlang. Die Landschaft, durch die wir fahren erinnert mich an die Moränengebiete Norddeutschlands. Das Wasser glitzert im Morgenlicht. Im Hintergrund stehen die typischen flachen Häuser mit Holzschindeln. Ein Stückchen weiter ist die Straße wieder aus Schotter. Nur vereinzelte Autos kommen uns entgegen – Staubwolken, durch die die Gegend in unwirkliches Licht getaucht wird. Ein weiterer Fotostopp ist an einer neuerrichteten Estancia, deren Eingang mit riesigen Stämmen der hier heimischen Südbuchen gebaut wurde. Die „Straße“ wird immer schlechter. Wir holpern an großen Südbuchen und Farmen vorbei nach Cimche. Die Straße, auf der wir fahren liegt sehr hoch, sodass wir einen guten Blick auf das innere Meer haben. Man kann die Austern und Muschelfarmen im Wasser sehen. Wie Schnüre liegen die Bogen im Wasser. In Chinche, einem kleinen Fischerstädtchen machen wir noch einmal Fotos. Die Stadt hat sogar eine Schule und  eine wunderschöne Kirche. Der Strand ist muschelbedeckt. Die Fahrt geht weiter an der Küstenstraße entlang bis nach Dalchue, das circa 50 km entfernt liegt. Die Straße ist jetzt wieder gut, sodass wir schnell vorankommen. Sie ist sehr steil (20%). Ich bin nicht sicher, ob eine Bergziege das geschafft hätte. Die Landschaft ist vor allem von Weiden geprägt mit Kühen, hin und wieder mal Schafen und auch Hühnern. Zwischen den Bäumen der halboffenen Landschaft stehen die Blätter und Blüten der Nalcos, die teilweise bis zu 2 Meter breit sind. Einen kurzen Halt machen wir in Tenaun, einem Fischerdorf mit wunderschöner Kirche, die UNESCO Weltkulturerbe ist. Sie ist die einzige, die 3 Türme hat. Am Strand wird Seetang getrocknet für Lebensmittel und Kosmetika. In Dalcahue fahren wir auf die Fähre. Vor uns ist eine Autopanne. Deshalb müssen wir warten. Eine Mutti verkauft uns Kuchen. Wir setzen über, um nach Curaco de Valez zu kommen. Dort soll es eine Kirche geben, die noch mit den orginal Zypressen Schindeln erhalten geblieben ist. Die Kirche ist wunderschön, von außen hat sie den originalen Holzton der Baumart aber von Innen ist sie eine Wucht. Die Schindeln an Wand und Decke haben ein verspieltes Wellenmuster. Die Wände sind hellblau, die Decke dunkelblau gestrichen. Alles aus Holz. Das Beste ist der Boden. Die Dielen sind abgelaufen und glatt geschliffen. Jeder Schritt knarzt. Die ganze Kirche wirkt freundlich und duftet angenehm nach Holz.
Auf der Landstraße geht es weiter nach Castro, einem Städtchen mit den typischen Pfahlbauten der armen Bevölkerung. Wir sehen sie bei Ebbe, wobei man die Bauweise gut erkennen kann. Bei Ebbe haben die Fischer ihre Boote unter den Häusern trocknen lassen, um von dort ihren Fang zu verkaufen. Ansonsten hat die Stadt eine große Kathedrale, die Gelb angestrichen wurde. Nicht nur die Kirche ist bunt, in der ganzen Stadt sind steile, verwinkelte Gässchen zu finden in denen buntgestrichene Häuschen stehen. Ich mache schöne Fotos. Im Camp bei Anzud haben wir Zeit, sodass ich zum Schreiben und ein bisschen Sport komme. Essen gibt es um 8. Es gibt Hühnchencurry mit Reis – sehr lecker. Ich wundere mich wirklich über das gute Essen. Zum Abendausklang gibt es wieder guten chilenischen Wein, in unserer Privathütte machen wir das Feuer an und unser Reiseleiter Klaus hat eine chilenische Band einbestellt, die nur für uns spielt. Die Musik erinnert stark an bayerische Schunkelmusik mit spanischem Gesang. Man merkt, wer hier gesiedelt hat.
Chalten – Lago Yelcho
Heute ist der dritte Tag auf Chiloe. Wir werden erst um 10 Uhr starten, also habe ich Zeit für einen Spaziergang am Pazifikstrand. Die Sonne strahlt mal wieder vom chilenischen Himmel. Der menschenleere Strand ist wunderschön. Überall liegen Austern und andere große Muscheln. So ein morgendlicher Strandspaziergang hat etwas Beruhigendes und Meditatives.
Wieder unterwegs sind wir mit unserem auffälligen Bus stets die Attraktion. Viele winken uns zu oder zeigen mit dem Daumen nach oben. Viele lachen und eine Gruppe junger Mädchen fängt sogar zu kreischen an, als wir zurück winken. Unser knallroter Rotel Tours Bus ist einfach auffällig. Zumal in diesem Teil der Insel schon seit Jahren kein Rotel Bus mehr gefahren ist. Das Camp liegt direkt am Meer. Rechts die Straße runter ist mit einem Schild „Ende der Panamericana“ markiert. Ich mache ein Beweisfoto. Am Strand liegen überall lilafarbene Schnecken, die musste ich einfach mitnehmen. Wunderschön. Angeblich gibt es hier auch schwarz-weiße Delphine und Wale.
Lago Yelcho -Queulat Nationalpark
Heute steht die Fährüberfahrt an. Um 7 läuft die Fähre ein. Gegen 8:30 Uhr dürfen wir an Board. Irgendwo ist wohl ein LKW, der auf die Fähre sollte, stecken geblieben. Also haben wir Platz. Unser Fahrer Günter beherrscht sein Handwerk. Er muss die einspurige Pier rückwärts zurückfahren und über eine Kurve auf die Fähre fahren. Und das auch noch mit riesigem Anhänger. Alles geschafft! Die Autos links und rechts sind keine 10 cm von unserem Rotel entfernt. Die Fähre ist recht geräumig und man kann sogar am Heck sitzen und der Heckwelle hinunterschauen. Heute Morgen war es zwar kalt, aber jetzt lässt sich ab und zu die Sonne blicken, so dass man sich aufwärmen kann. Ab und an sieht man die Rückenflosse von Delfinen auftauchen, aber richtig nahe sind sie noch nicht gekommen. Um 9 haben wir abgelegt. Die Fahrt kann wegen den Gezeiten bis zu 12 Stunden dauern, um in Puerto Cines einzulaufen. Die ersten 6 Stunden bin ich an Deck. Immer mal wieder kommt die Sonne raus. Wirklich spannend wird es, als wir in die Kanalwelt von Patagonien eintauchen. Nebel kommt auf. Die kleinen Inselchen und Archipele sind mit Regenwald bestanden und immer wieder sieht man kleine Wasserfälle. Die Wellen sind teilweise sehr hoch. Das Boot schaukelt gewaltig. Wir legen um 8 Uhr an und die Fahrt führt von der winzigen Anlegestelle Puerto Cisnes auf einer gut ausgebauten Straße im Regenwald. Wir kreuzen immer mal wieder den Rio Cisnes (Schwanenfluss), der mit seinem türkisfarbenen Wasser verwunschen im Nebel liegt. Links und rechts ragen die regenwaldbewachsenen Berge in die Höhe, deren Gipfel im Nebel liegen. Es wird immer dunkler. Riesige Nalkablätter stehen zwischen den hochaufragenden Bäumen. Heute übernachten wir in dem 300 Seelendorf El Indio, auf halben Weg nach Coyhaique. Unser Fahrer macht uns wundervollen Lachs mit Salaten und frischgebackenem Brot. Morgen geht es dann weiter auf der Carretera Austral in Richtung Coykaique.
Queulat Nationalpark – Coyhaique
Nach dem Frühstück sehen wir uns in Villa Amengual, einem Indiodorf, das Gesundheitszentrum und das Gemeinschaftshaus an. Auch der kleine Laden wird gemeinschaftlich geführt. Auf allen Produkten steht der Name der Person, die das Produkt gemacht hat. Diese bekommen dann das Geld. Wir fahren zwischen Bergmassiven hindurch. Der Regenwald lichtet sich immer mehr zum Sekundärwald. Einen kurzen Fotostopp gibt es an der Laguna del Torro (See der Türme, der Berg im Hintergrund). Ab und zu tauchen riesige, tote weiße Bäume zwischen den niedrigeren Bäumen auf. Teils bricht der Wald auf und riesige verkohlte Strünke liegen überall auf den Weiden. Sie zeigen von der Brandrodung, die hier stattgefunden hat. An der Straße wachsen Lupinen, Digitalis und die roten filigranen Blüten der Margellanfuchsie. Ich habe diese Blüten schon beim Silberschmuck der Mapuche gesehen. Das Tal öffnet sich zu breiten Weideflächen mit Schafen und Rindern. Gerade mal ein paar Kilometer weiter beginnt schon die Patagonische Steppe. Wir machen einen kurzen Stopp in Manihuales, einem kleinen Dorf, in dem es nicht viel gibt. Einen Kilometer weiter halten wir erneut am gleichnamigen Fluss Manihuales über den eine Brücke führt – unter uns Stromschnellen und eine alte Furt erkennen. Einige Kilometer weiter sind zwei LKWs sind frontal aufeinandergeprallt. Den Fahrern ist nichts passiert. Es wird sehr eng. Wir müssen sogar abkoppeln und unser Rotel ziehen. Günter schafft alles. Unser nächster Halt ist an den Kaskaden der Jungfräulichkeit, einen imposanten Wasserfall, der verjüngende Wirkung haben soll. Das Wasser rauscht in die Tiefe und ein Sprühregen trifft mich. Kann ja nicht schaden… . Kurz danach gibt es eine Art Felsüberhang, in dem San Sebastian verehrt wird. In den Bäumen stecken bunte Plastikblumen und Kerzen brennen auf Ständern. An den Felswänden hängen Fotos von Kindern und Dankesschreiben für erhörte Gebete. Jetzt fahren wir am Rio Simpson durch das gleichnamige Tal und kommen irgendwann auf ein Hochplateau mit Blick auf Coyhaique. Hier sieht nichts mehr aus wie Regenwald. Weidläufige Weiden bestimmen das Landschaftsbild. Es stürmt gewaltig! In Coihaique machen wir Mittag. Alles sehr urig. Durch die Hochebenen geht es weiter. Hier gibt es unendliche Weiden, auf welchen nur vereinzelt Pferde oder Rinder zu sehen sind. Wenig später halten wir noch einmal an einem Aussichtspunkt mit Blick über den Rio Ibanez. Er entspringt am Fuße eines Vulkans. Der Blick reicht bei wunderschöner Sonnen weit über die Ebene und die Berge. Wir sehen sogar Condore, die über den Schluchten kreisen. Neben mir auf einem Schild landet ein kleiner blau-gelber Vogel, ein Churro und starrt mich an. Wir fahren weiter in das Dorf, in dem unser Campingplatz ist. In der Dorfmitte ist ein Denkmal mit einem Mate-Trinkenden. Es soll die Einsamkeit der patagonischen Steppe darstellen. Vom Campingplatz aus kann man Condore, die über den Bergen kreisen beobachten. Heute Abend werden wir Spare Ribs über dem offenen Feuer grillen, die Anden im Blickfeld. Ich feiere es jetzt schon!
Coihaique – Perito Moreno
Beim Aufstehen begrüßt uns heute schon die Sonne und wir haben einen fantastischen Blick auf die Gletscher. Auf einer Schotterpiste zwischen schroffen Felsen hindurch, fahren wir durch eine tosende Schlucht bis zu einem wunderbaren Aussichtspunkt über das Tal des Rio Ibanez. Wir klettern auf die Felsen und genießen das Panorama – überall bunte Blumen, Hier gibt es weder Industrie noch Landwirtschaft. Jetzt geht es nach Argentinien. Es ist erstaunlich, weil sich die Landschaft innerhalb kürzester Zeit ändert. Hier empfangen uns weite Weideflächen in karger Landschaft. Die Bäume sind schief und es stürmt. Wir erreichen die Grenze, die Kontrollen sind schnell und unkompliziert. Wir kommen an einem Denkmal mit Schaf und Schäfer vorbei. Nicht wirklich spannend – aber es passt zu diesem Kaff. Hier ist keine Menschenseele. Angeblich wurden viele Häuser nach dem Vulkanausbruch des Hudsons aufgegeben. Der Staub holt uns immer wieder ein und wir können keine 5 Meter weit sehen. Stundenlang fahren wir auf unbefestigter Straße dahin. Ein Gürteltier kreuzt  unseren Weg. In der Ferne kann man Salzseen erkennen, die zartrosa schimmern. Das erste Mal sehe ich Flamingos. Auf der anderen Seite rennen Nandus die Hügel hinauf. Mittlerweile ist kein Baum mehr zu sehen. Ich sehe sogar mein erstes Guanako. Wir fahren vorbei an vielen Estancias. Wo Häuser stehen, werden Pappeln gepflanzt, um den Wind zu brechen. Zur Mittagszeit halten wir an einem markanten Felsen und ich habe Zeit, mir die Pflanzen anzuschauen. Dabei finde ich Federgras und einen Kaktus. Alles ist dornig und wir braten in der Sonne. Ohne den Wind wäre es unerträglich heiß! Die Landschaft ist unendlich weit! Wir sind in der Pampa Argentiniens. Ab und zu sieht man rote Bänder und Fahnen in den Büschen – eine Art Gedenkstätte. In Perito Moreno machen wir einen Tankstellenstop. Beim nächsten Halt haben wir einen Blick über den Lago Buenos Aires, wo wir heute Abend übernachten. Wir erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang – orange, rot, violett.
Perito Moreno – San Julian
Wir durchqueren die patagonische Steppe bis zur Ostküste. 700km gelb-gräuliche Steppenlandschaft liegen vor uns, unter anderem auf der Ruta 40, Traum vieler Motoradfahrer. Am Straßenrand stehen oft Guanakos. Der Boden ist offener Schotter, der mit gelben Gräsern bedeckt wird. Die unendliche Weite wird von den winzigen scheinenden Drahtzäunen der Estancias unterbrochen. Am Horizont sieht man blauschimmernde Berge und Hügel. Große Nandus scharren auf dem Boden nach Futter. Klaus trägt Literatur vor. Ich mache kaum Fotos. Die Weite und Öde kann man nicht festhalten und wer nicht hier war, kann das Gefühl nicht verstehen.
Wir fahren durch eine Landschaft die jetzt immer mehr von niedrigen Buchen eingenommen wird. Die Schafe halten die wenigen Grasbüschel sehr kurz. Ab und an tauchen Förderpumpen neben der Straße auf. Hier wird Erdöl- und Gas gefördert. Dazwischen stehen Schafe, Nandus und Pferde und fressen. Es wirkt so idyllisch und deshalb unwirklich! Am Horizont taucht der Cueva de las Manos auf, an dem die Höhle der Hände liegt. Ich habe es für nicht möglich gehalten, aber die Landschaft wird noch karger. Ich würde es jetzt schon als Wüste bezeichnen. Kein Tropfen Wasser weit und breit. Der Sand ist rot und gelb, es sind fast nur noch Gras und winzige Blumen zu finden. Ich kann verstehen, warum hier niemand gesiedelt hat. Außer Wind Staub und Guanakos gibt es hier nichts.
Wir erreichen die Insel der Pfauen, Isla Pavon. Der Campingplatz liegt direkt am Rio Santa Cruz, der von Gletschern gespeist wird. Sein Wasser ist milchig. Wieder einmal erleben wir einen fantastischen Sonnenuntergang.
San Julian – Cerro Combrero
Wir brechen auf und die Tuca Tucas (Meerschweinchen) verabschieden uns. Wir fahren wieder lange Zeit durch Steppenlandschaft mit Mata Negra Büschen, überall Guanakos am Straßenrand. Heute fahren wir nach Feuerland. Das bedeutet, dass wir die chilenische Grenze passieren müssen. Wir kommen an einigen Seen vorbei, in denen Flamingos schwimmen und erreichen schließlich die Stadt Rio Gallegos, die eine große Kaserne besitzt. Es stellt sich heraus, dass alle diese Städte mit den wohlklingenden Namen bloße Ansammlungen wellblechgedeckter Hütten sind. Geld kann man hier nicht ausgeben. In Rio Gallegos machen wir Mittag in einem Fernfahrerlokal. Man kann die dunkle Küstenlinie über der Margellanstraße bereits erkennen. Das Meer ist sehr ruhig, was eher ungewöhnlich ist. Der Wind ist fast warm. Delfine geleiten uns ans andere Ufer. Wir erreichen endlich eines meiner Traumziel: La Isla Tierra del Fuego, Feuerland! Der Boden ist aus schwarzem Schotter und Kies. Hier sind kaum höhere Pflanzen zu finden. Vor allem niedrige Gräser und vor allem Margeriten mit viel Moosdecken sind zu sehen. Es ist deutlich hügeliger als in der Pampa. Alles wirkt irgendwie dunkel, aber man hat das Gefühl, es wird sumpfig. Immer mehr Bäche queren unseren Weg. Sogar Flamingos stehen in den kleinen Seen. So tief im Süden? Jetzt muss man auch schon die warmen Sachen anziehen. Es wird kühler! Ich fühle mich wie am Ende der Welt – es ist das Ende der Welt.
Cerro Sombrero – Ushuaia
Es ist sehr kalt! Ich habe 3 Pullis und 2 Paar Socken an! Den Campingplatz bei Ushuaia gibt es nicht mehr und wir übernachten im Hotel. Wir fahren an der Estancia Sara vorbei, der zweitgrößten Schafzuchtfarm Feuerlands. Hier ist gerade Schafschur und wir haben die Möglichkeit, zuzuschauen. Die Wolle wird im Ganzen abgezogen und jeder Schafscherer braucht gerade einmal 2 Minuten für ein Schaf. Etwa 4000 Schafe werden täglich geschoren. Das geht ruckzuck! Wenig später den Weg hinunter halten wir an einer großen Gedenkstädte für Gauchito Gil. Der Wald ist ein mystischer Märchenwald. Durch die rauhen Naturgewalten sind die Bäume klein und knorrig. Es sind Nothofagus, Südbuchen. Von den fast kahlen Ästen hängen Flechten in langen Fäden. Sie sind grünlich grau und verleihen dem Wald etwas Gespenstisches. In den Kronen sind etliche Misteln. Bäche und Flüsse durchziehen die Weiden und ab und an öffnet sich das Tal und die leuchtenden Gletscher der Darwin Cordillere geben sich zu erkennen. Wir machen Mittag in Tolhuin, dem Herzen der Insel. Es gibt eine inselbekannte Bäckerei, in der wir uns Empanadas kaufen. Wir haben Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, Fin del Mundo, erreicht. Ich habe mir ein verschlafenes Nest vorgestellt, aber es ist leider etwas unromantischer. Riesige Umschlageplätze für Container kann man sehen und es legen wohl auch täglich Kreuzfahrtschiffe an. Heute haben wir nicht viel Zeit, die Stadt zu erkunden. Wir wechseln Geld und gehen einkaufen (Wein und Lebensmittel). Anschließend fahren wir zu unserem Hotel mit fantastischem Blick auf die Bucht und die Gletscherwelt.

Ushuaia
Wir haben Tickets für eine Katamaranfahrt und machen eine Tour auf den Beagle Kanal. Das Wetter ist fantastisch. Strahlender Sonnenschein und fast windstill. Der Katamaran hat kaum Wellengang und die Berge stehen in fantastischen Licht links und rechts des Kanals. Nach und nach steuern wir mehrere kleine Felsinseln an, auf denen es etwas zu sehen gibt. Kormorane stehen krächzend und federkleidputzend neben Seelöwen. Zuerst sehe ich ihn nicht, aber auf einmal hebt ein großes Alphamännchen den Kopf. Es ist mit fast 400 Kilo doppelt so groß wie die Weibchen. Es besonderer Anblick ist ein alter Leuchtturm, der sich wunderschön im Wasser spiegelt Der Katamaran legt an einer kleinen Insel an. Hunderte von Magellanpinguinen bevölkern den Strand, schwimmen durchs Wasser. Sogar ein Kaiserpinguin steht am Strand. Ich hole mir in der Touristinfo ein Zertifikat, zum Beweis, dass ich hier war.
Ushuaia – Cerro Sombrero
Bei wieder wunderbarem Wetter verlassen wir Ushuaia. Es geht zurück auf die andere Seite Feuerlands mit diversen Stopps. Unter anderem halten wir an einem alten Damm und an einer Huskiestation. Andere Stopps sind noch einmal am Garibaldipass und eine Mittagspause im Herzen der Insel Tolhuin.
Unser Reiseleiter Klaus überrascht uns mit einem Besuch bei der einzigen brütenden Königspinguinkolonie außerhalb der Antarktis. Die Tiere sind wunderschön. Vor 3 Tagen sind die Jungen geschlüpft. Ich könnte sie stundenlang beobachten.
Cerro Sombrero – Punta Arenas
Der Himmel ist bedeckt und mal wieder fast windstill auf der großen Insel. Heute verlassen wir Feuerland. Nach dem Frühstück – unter den neugierigen Augen der heimischen Fauna verlassen wir die Hüttenansammlung Serro Sombrero und fahren unserer Fähre entgegen. Wir nehmen die erste, müssen aber noch kurz warten. Ich sammle Muscheln mit einer Reisekollegin. Es ist erstaunlich, dass an jedem Strand eine andere Art vorherrscht. Auf der Fähre werden wir erneut von den weiß-schwarzen Delfinen begleitet, die diesmal sogar ab und zu aus dem Wasser springen „Patagonia“ – du hast und wieder! Heute ist mal wieder Literaturtag. Auf dem Weg nach Punta Arenas halten wir an einer großen Estancia „San Gregoria“ in der gleichnamigen Bucht. Sie wurde aufgegeben und verfällt. Von außen kann man in die Räume und Häuser sehen. Hinter der ersten Häuserreihe sieht man ein völlig verrostetes Schiff auf der Seite liegend am Strand, die Amadeo. Sie war das erste Flagschiff von Don Jose Memendez. Der Menendez-Braun Clan sind die „heimlichen“ Herrscher Patagoniens. Das Schiff ist so verrostet, man kann durch das Innere hindurchlaufen. Punta Arenas begrüßt uns mit Industrie und Gewerbeflächen. Ein Muss ist das riesengroße Magellandenkmal in der Mitte der schachbrettartig angelegten Stadt. Wir streifen noch einige Zeit durch die Stadt und sehen uns Kunsthandwerk und andere Denkmäler an. Abends gehen wir in ein renommiertes Restaurant. Ich esse Königskrabbe und Steak. Beides sehr, sehr lecker! Wenn auch nicht ganz billig. Aber wenn man schon mal hier ist… . Den Abend lassen wir bei einem Strandspaziergang mit schönem Sonnenuntergang mit Blick auf Feuerland ausklingen. Keine Welle regt sich in der Magellanstraße. Mal wieder völlig untypisch. Unsere Reise scheint, auch was das Wetter betrifft, unter einem guten Stern zu stehen.

Punta Arenas – Paine Nationalpark
Ich sitze am Fuße des Paine-Massivs am Pehue-See im Torres del Paine Nationalpark. Die Landschaft mit ihren schneebedeckten Gipfeln, den milchigweißen Seen, der trockenen Vegetation, den spannenden Wolkenformationen und der fantastischen Tierwelt ist grandios. Ein Mitreisender hat es so beschrieben: am Morgen waren wir am Mittelmeer, dann sind wir durch die afrikanische Steppe gefahren, nun haben wir die Lüneburger Heide und hundert Meter weiter am See sind wir in der Schweiz. Gerade läuft ein großes Gürteltier direkt an uns vorbei. Es hat gar keine Berührungsängste.
Das sind die ersten 20 Tage der Reise zusammengefasst. Die weiteren Tage verlaufen ähnlich schön, jeder Tag der restlichen Reise bot neue Attraktionen und begeisterte aufs Neue. Wir wurden zu einer kleinen Rotel-Familie. Zwei Reiseteilnehmer verstanden sich sogar so gut, dass sie zu einem Paar wurden. Mir persönlich hat die Reise sehr gut gefallen und würde sie jederzeit wieder machen. Bleibende Eindrücke, nette Kollegen, schöne Grillabende, viel Geschichte und Kultur konnte ich in dieser Reise lernen. Als ich zuhause ankam, bereitete ich die Reise noch ca. 2 Monate nach, weil unser Reiseleiter uns mit sehr vielen Zusatzinformationen versorgte. So schaute ich manche interessante Filme oder las Dokumentationen und höre bis heute südamerikanische und patagonische Musik. Die Reise hat mich geprägt, ich denke sehr gerne zurück.

von Andreas Drasch

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3 KommentareHinterlassen Sie einen Kommentar

  • Hallo Andreas,
    vielen Dank für diesen wunderschönen Beitrag, so wie du alles beschrieben hast, hab ich das Gefühl, dass ich die Vögel zwitschern höre und den Wind im Gesicht spüre. Es war eine traumhaft schöne Reise, die ich nie vergessen werde.
    Auch vielen Dank für die tollen Bilder, die du verschickt hast.
    Viele Grüße
    Ingrid

  • Hallo Andreas,
    danke, dass Du die Reise so schön beschreiben hast. Habe Sie direkt hoch einmal erlebt. Und die Fotos sind super.
    Viele Grüße
    Renate

  • Hallo Andreas,
    danke Dir für die spannende und ausführliche Reisebeschreibung und die faszinierenden

    Bilder. Ich glaubte diese wunderschöne Reise ein zweites Mal erleben zu dürfen.

    Habe Südamerika mit Wohnmobil und Partner über ein halbes Jahr bereisen dürfen und

    unvergessliche Eindrücke gesammelt.

    Nach Deinem Bericht denke ich ernsthaft über eine Wiederholung, diesmal mit Rotel nach.

    Mit Rotel nach Namibia und Botswana könnte ebenfalls lohnenswert sein.

    LG Ursula

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