Rotel Reiseblog

Wanderreise Insel Ischia

von Karl-Heinz Schein

Nein, es ist nicht die typische Rotelreise, aber sie ist wunderschön und sehr zu empfehlen. Ich rede von der Wanderreise Nr. 618, der „Wanderwoche auf der Insel Ischia“. Auf eine ausgewogene Mischung aus geführtem Wandern, Erholen, italienischer Kulinarik und eigener Programmgestaltung an den freien Tagen freuten sich in der Osterwoche 12 Rotel-Gäste, unter anderem meine Frau und ich.

Schon der Flug von München nach Neapel war ein Erlebnis der besonderen Art. Bei herrlichem Wetter genossen wir einen Traumblick auf die schneebedeckten Alpengipfel, Venedig schien 10700 Meter unter uns fast zum Greifen nahe und über die Berge des Apennin ging es quer über den Stiefel an den Golf von Neapel. Beim Landeanflug bot sich ein überwältigender Blick aus dem Flugzeug auf Capri und den Vesuv. (Kleiner Tipp für Fotografen: Beim Hinflug Fensterplatz auf der rechten Seite buchen!)
Vom Flughafen aus brachte uns ein Shuttlebus in den Hafen von Pozzuoli, der Heimatstadt der berühmten Filmschauspielerin Sophia Loren. Der Busfahrer nahm noch einen kleinen Abstecher, um uns dampfende und markant riechende Schwefelschwaden zu zeigen, liegt doch Pozzuoli auf dem Feuerring der phlegräischen Felder, einem ständig aktiven vulkanischen Gebiet.
Aus der regnerischen Heimat direkt ins sympathisch angenehme Sonnenscheinklima des südlichen Mittelmeeres, im Handumdrehen ist man in einer anderen Welt, in einer anderen Stimmung.
Schön war, dass der Bus mit auf die Fähre kam und uns in Ischia direkt beim Hotel absetzte, es gab somit vom Flughafen bis zum Ziel auf Ischia kein umständliches Kofferschleppen.
Die vier geführten Wanderungen dieser Wanderreise wurden von Stefanie geleitet, einer Österreicherin, die sich vor 20 Jahren wahrscheinlich nicht nur in die Insel Ischia verliebte und die seinerzeit beschloss, hier im Süden ihren Lebensmittelpunkt aufzubauen. Unglaublich, welche Naturschönheiten diese kleine Insel bereithält, allerdings erschließen sie sich fast nur bei geführten Wanderungen. Die Wanderwege sind zum Teil schlecht, viel öfter gar nicht beschildert und ohne sachkundige Führer wäre das Wandern hier gewiss nur das halbe Vergnügen. Ein Highlight der Wanderungen sind die Mittagspausen, stets in rustikalen Gaststätten in unglaublicher Panoramalage. Der Wein und die lokalen Spezialitäten schmeckten bei atemberaubenden Ausblicken auf den Golf von Neapel sicher nochmals so gut. So gegen 16 Uhr endeten alle diese Wandertage, danach blieb Zeit für eigene Erkundungen, z.B. besuchten wir an einem Nachmittag den Garten La Mortella, einen der berühmtesten Landschaftsgärten Italiens. An einem anderen Spätnachmittag stiegen wir über einige Stufen hinunter in die Sorgetobucht, wo sich ohne Unterlass 90 Grad heißes Thermalwasser ins Meer ergießt. Man kann hier praktisch zu jeder Tages- und Jahreszeit ein kostenloses Thermalbad im Meer genießen.
Die Unterbringung auf einer Hotelreise unterscheidet sich doch beträchtlich von altbekannten Rotelkabinen. Wir hatten ein Zimmer mit Terrasse zum Meer, wenn man das Fenster öffnete, blickte man zwischen einem wunderschön angelegten Palmen- und Kakteengarten hinüber zur Insel Capri! Verschieden warme Thermalbecken, in den Nachtstunden beleuchtet und rund um die Uhr benutzbar, waren etwas, was man auf herkömmlichen Rotelrundreisen nicht unbedingt Standard nennen würde. Salvatore, unser Betreuer vor Ort und Hoteldirektor des Hotels Belvedere, war stets um unser Wohl bemüht.
Der legendäre Pizzaabend in seinem Hotel mit sizilianischer Livemusik und hervorragendem Essen und Trinken ist fast schon eine Reise für sich wert.
Die zwei freien Tage nutzten wir für verschiedenste Unternehmungen. Erfreulich ist, dass in Ischia das Bussystem perfekt ausgebaut ist. Mit einer sehr günstigen Tageskarte kommt man bequem zu allen interessanten Besichtigungspunkten. Sehr zu empfehlen ist ein Besuch des Kastells Aragonese, von dem aus man herrliche Ausblicke zum Monte Epomeo (dem höchsten Berg Ischias) hat und hinüberblickt über den Golf bis nach Neapel. Wenn man wie wir frühmorgens dort ist, genießt man den schönsten Sonnenaufgang Ischias und kann die Fischer beobachten, die mit ihren Booten in den Hafen einlaufen und Ihren Fang frisch vom Schiff herunter an die Einwohner verkaufen. Weiter erlebten wir das bizarr schöne Städtchen Sant’ Angelo und spektakuläre Lichtstimmungen, wenn vor der Seefahrerkirche in Forio die Sonne untergeht und der Monte Epomeo vom letzten Abendlicht beleuchtet tiefrot aufflammt.
Ein besonderes Highlight für mich war der Karfreitag. An diesem freien Tag fuhr ich im Morgengrauen mit der Fähre hinüber auf die Nachbarinsel Procida, um die berühmteste Karfreitagsprozession Kampaniens mitzuerleben. Die „misteri“, die von den jungen Procidanern kreierten und durch die Straßen der Insel getragenen Figuren, stellen größtenteils Szenen aus der Bibel dar. In den vergangenen Jahren sah man jedoch auch moderne Darstellungen, die Drogen- und Camorraterror thematisierten. Die von den kräftigsten Männern getragene Christusfigur, der hölzerne „Tote Christus“, ein Werk von Carmine Lantricene (1728), die die Prozession abschließt, beeindruckt nachhaltig. Fast ein Drittel der Bevölkerung Procidas nimmt an der Prozession teil. Sie fand erstmals im Jahre 1627 statt, eingeführt von der Bruderschaft der Turchini.

Mein Fazit dieser Reise sieht so aus:

Es ist keine typische Rotelreise, aber wer gerne in schöner Natur wandert, italienische Lebensart und Küche liebt, und seinem Körper und seiner Seele mit warmen Thermalquellen unter südlicher Sonne etwas Gutes tun will, ist bei dieser Wanderreise gut aufgehoben.

 
                  

2 KommentareHinterlassen Sie einen Kommentar

Leave a Reply

Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *