Rotel Tours Reiseblog

Island – eine Rotel Pionierreise

von Axel Finsch

Rotel Tours bot erstmalig eine Islandreise mit dem Rotelbus an. Die Tour war ausgebucht, aber einen Platz hatte ich nach einer Wartezeit noch buchen können. Die Erstlingstour einer Expeditionsreise stand nun auf meinem Programm. Meine erste Erstlingstour! Viel war mir von anderen Reisenden über so eine Reise schon berichtet worden. Ein Erlebnis der besonderen Art stand mir und den anderen Mitreisenden, dem Reiseleiter und unserem Fahrer bevor. Eine Anreise mit dem Schiff war für mich auch neu. Der Rotelbus, tief unten im Bauch der Fähre, sollte auf der Insel unser täglicher Begleiter werden, so wie es die Rotelreisenden gewöhnt sind. Die großen, ständig auf dem aktuellsten Stand gehaltenen Informationsanzeigen auf dem Schiff ließen die Spannung etwas steigen, denn alle Straßen des isländischen Hochlandes waren gesperrt. 2015 setzten der Frühling und folgend der Sommer etwas später ein.

Auf unserem ersten Campingplatz in Hlíð am Mývatn kam es zu einer ersten Aufregung, nach einer wunderschönen Fahrt im Rotelbus durch das Heißquellengebiet von Hverarönd mit seinen Schlammtöpfen und zischenden Dampfquellen, die sich bis weit auf die umliegenden Berge herauf ziehen. Fahrten mit unserem Rotelbus in das Hochland, sollte es nicht geben. Auch für die isländischen Verantwortlichen der Partnerreiseagentur war es neu, dass ein Fahrzeug von 22t Masse in das Hochland fahren wollte. Der Bus müsste sich in die engen Kurven der steil aufragenden und ebenso wieder abfallenden  Wege der Schotterpisten in den Lavafeldern gefahrlos bewegen  und dabei Gletscherflussläufe durchqueren. Das ginge gar nicht! Schließlich könnte der große  Bus auch in den tiefen Bodenwellen aufsetzen und stecken bleiben. Für mich persönlich war klar, wenn unser Fahrer Klaus Weber sagt es geht, dann geht es auch. Wir kannten uns von einigen Exkursionsreisen. Auch auf diesen Routen gab es manchmal Probleme, die Klaus mit dem ihm eigenen Können und seiner Ruhe immer meisterte. Nachdem er nun mit einem Mietwagen und der Hilfe des weitgereisten Rotelreisenden Albert Heyne einen Teil der Strecke mit einem isländischen Führer erkundet hatte, hieß es am anderen Morgen: „Es geht, wir fahren zum markanten Kraterkessel Askja“. Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass diese Strecke in das Hochland erst einen Tag vorher für den Allradverkehr freigegeben wurde. Für die, für die Rotelgruppe Erkundenden, war es eine Nachtfahrt. Scheinwerfer wurden aber nicht benötigt, denn wenige Breitengrade unterhalb des Nordpolarkreises wird es in dieser Jahreszeit auch nachts nicht dunkel. Kartenspielen oder lesen ohne künstliches Licht bereiten keine Probleme. Die Gedanken gehen sofort zur Winterzeit, wie es da wohl sein wird. Bei unserem isländischen Reiseleiter lockte diese Aussage keine Begeisterungsstürme hervor. Es war wohl auch seine erste Tour mit solch einem Allradbus. Seine wenigen nun folgenden Erklärungen während der bezaubernd schönen Fahrt waren leise und von innerer Spannung geprägt, kurz gesagt und wir Gäste merkten, dass er solche Touren nicht gewöhnt war. Alle möglichen Gefahren waren uns durch den Reiseleiter genau aufgezeigt worden. Nach der ersten Wasserdurchfahrt erklang die sichtlich erleichterte Stimme vom Fahrerhaus her aus dem Lautsprecher mit den Worten: „So eine Wasserdurchfahrt ist immer sehr gefährlich, aber heute nicht“. Dass wir nach unserem Eintreffen am Übernachtungsplatz im Hochland am Fuße des Askja, wo der Weg zum Krater begann, letztlich nur 3 von den 8 Kilometern zu Fuß, durch Geröll, Schnee, Eis und Schlamm voran kamen, hatte keinen der Mitreisenden gestört. Die Erfahrung des Isländers bestätigte sich auf der Rückfahrt. Die Wasserdurchfahrten waren von unserem Klaus an der gleichen Stelle zu meistern, aber durch die Erwärmung am Tag stieg der Wasserpegel der Flüsse durch Schmelzwasser der Gletscher und Schneefelder an. Kein Problem für unser Fahrzeug, wir waren uns einer Exkursionsreise bewusst. Wunderschöne erste Tage in einer fast unwirklichen Gegend. An dieser Stelle muss einiges zum Wetter und der damit verbundenen Wahl der Kleidung erwähnt werden. An manchen Tagen trifft ein Vergleich mit dem Wetter in Patagonien zu. Es gibt sehr starke, plötzlich auftretende, aber auch schnell wieder nachlassende Stürme. Durch diesen Wind liegen die Temperaturen von beispielsweise 5°C, gefühlt viel tiefer. Beim nächsten Fotostopp ist schon der Pullover zu viel. Der Zwiebelschalenlook ist eine gute Möglichkeit, sich diesen wechselnden Situationen zu stellen. So ist es auch nicht gesagt, dass die Temperatur bei den vielen schönen, oft nicht anstrengenden Wanderungen, bergauf als warm und bergab als kalt empfunden wird. Das isländische Wetter verlangt aber von denen, die das Rotel am Abend aufbauen, dass immer das nun völlig zu schließende Vorzelt mit aufgebaut wird.

Wenden wir uns dem unerschöpflichen Thema der isländischen Wasserfälle zu. Foto auf Foto folgte. Hier ein Wasserfall, dort gleich drei nebeneinander und wenige Kilometer weiter eine ganze Reihe von in die Tiefe stürzenden Wassern. Eine Wertung kann gar nicht vorgenommen werden. Die spekulativsten Wasserfälle Dettifoss, Selfoss, Skógafoss, Svartifoss, Gullfoss und Seljalandsfoss, um nur einige, der großen Besuchermagneten zu nennen, die wir alle auf verschiedensten Wanderungen erleben durften, haben wir im Gedächtnis und im Bild festgehalten. Neben diesen Wasserfällen und allen anderen, gibt es auch einige besondere Arten, die dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen. Ein stürzender schmaler Wasserfall kommt gar nicht auf dem Boden an, ein anderer ändert seine Richtung während des freien Falls mehrfach und auch eine Seltenheit war zu beobachten; einer wurde nach einer gewissen Fallstrecke nach oben umgeleitet und löste sich in der Höhe auf.

Die unterschiedlichsten Lavafelder beeindruckten mit den verschiedensten Formen immer wieder. Weit ausladende Ebenen durchfuhren wir und hatten immer die schneebedeckten Gipfel der Vulkane und Gletscher ringsum im Blick. Es verlangt schon viel Phantasie, sich vorzustellen, dass diese riesigen Ebenen zur Zeit der Schneeschmelze innerhalb von Minuten zu gewaltigen Flussläufen werden können. In den Hochlandebenen erkennt der Besucher des Landes auch  erst bei genauem Hinsehen, dass sich hier in dieser unwirklichen Welt Pflanzen den Weg zum Licht bahnen. Die Erosion in den verschiedensten Formen konnten wir erleben. Alles scheint ruhig, doch plötzlich tritt scheinbarer Dunst auf, der sich zu großen und weiten Flächen überstreichenden Sandstürmen entwickelt.

Mit dem Glück der Erstlingsreisenden konnten wir den Gipfel der „Königin der Berge“, einen beeindruckenden steil aufragenden Berg, wolkenlos, aber mit einer Krone aus Schnee, erleben. Dies trifft allerdings nur wenige Tage im Jahr zu. Immer wieder wechseln sich Lavafelder, weite Ebenen, Flussläufe, schneebedeckte Vulkane, dampfende Erde mit Seenlandschaften und gewaltigen vielfarbigen Bergketten ab. Auf dem Gletschersee Jökulsárlón schwammen gewaltige bläulich schimmernde, aber auch mit Vulkanasche durchsetzte Eisberge, die wir von umgebauten Sturmbooten der US-Armee aus in ihrer Nähe erleben durften. Eine Rotelreisende hatte eine Flasche Whisky mitgebracht, so gab es für uns Whisky mit Eis aus längst vergangener Zeit, das die einheimischen Begleiter zur Erklärung an Bord brachten.

Für die Planung von Rotel Tours für die sehenswerten Punkte wie  „Petras Steinesammlung“, das Walmuseum, die Wanderung durch die Ásbyrgi-Schlucht, das Wandergebiet Landmannalaugar, den beeindruckenden ,Film über den Vulkan Eyjafjallajökull ins Programm aufzunehmen, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken. Nebenbei, wir Rotelreisenden können nun auch (fast) richtig Vulkan „Eyjafjallajökull“ aussprechen und müssen die internationale Abkürzung E16 nun nicht mehr benutzen.

Ein besonderes Gefühl möchte ich noch erwähnen. Wir steuern ein Hochtemperaturgebiet an. Schon aus großer Entfernung sieht der Besucher den aufsteigenden Dampf. Beim Rundgang stehen auch wir erwartungsvoll um den Geysir, dessen kochend heißes Wasser plötzlich in die Höhe schießt. Der gute Beobachter merkt, dass er nur an bestimmten Stellen stehen kann, denn der Wind treibt das kochend heiße Wasser auch weit hinter die Absperrungen. In Hveravellir hatten wir im Hochtemperaturgebiet, umgrenzt von schneebedeckten Berggipfeln, die Möglichkeit, in einem Hot Pot ein Bad zu nehmen. Auf der einen Seite wird in den natürlichen „Felsentopf“ von einer Heißwasserquelle 80°C bis 100°C heißes Wasser und von einer anderen Stelle her Schmelzwasser eingeleitet. Bis zum Hals im Wassertopf stehend, kann der Badende sich so die für ihn angenehme Temperatur in dieser traumhaft schönen Gegend aussuchen.

 

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