Rotel Reiseblog

Iran – ein Land mit großer Geschichte

“Drei, drei, drei … bei Issos Keilerei” ist ein Merkspruch, den die meisten von uns kennen, aber vielleicht nicht sofort mit dem Iran verbinden. Was genau steckt dahinter?

Es geht um die Schlacht bei Issos an der Mittelmeerküste in der heutigen Türkei, die dort im Jahre 333 vor Christus stattfand. Hier trafen der makedonische König Alexander der Große und der  letzte persische König des Achämenidenreiches, Darius III., aufeinander. Und somit sind auch wir, mittendrin in der persischen und damit auch der iranischen Geschichte …

Dabei ist es, und das nur nebenbei angemerkt, durchaus auch ein kleines Politikum, ob man von Persien oder dem Iran spricht.

Alexander der Große ging siegreich aus dieser Schlacht hervor, doch das letzte direkte Kräftemessen fand zwei Jahre später auf einer Ebene östlich des Flusses Tigris, in Gaugamela, statt.
Auch hier musste sich Darius III. geschlagen geben, obwohl sein Heer numerisch überlegen war. Die große Kriegserfahrung der makedonischen Armee aber auch das strategische Geschick Alexander des Großen sollen die Gründe für den Sieg gewesen sein.

Dem unterlegenen Perserkönig Darius III. gelang die Flucht nach Ekbatana, wo sich die antike Hauptstadt des Mederreiches (715 v. Chr. – 550 v. Chr.) befand und welche als Königsresidenz im Achämenidenreich diente (in der Nähe der heutigen Stadt Hamadan).
Zwischenzeitlich konnte Alexander der Große, nach einem Aufenthalt in Babylonien, den riesigen persischen Königsschatz in Susa plündern. Susa war, mit kurzen Unterbrechungen, die Hauptstadt des Reiches von Elam (zwischen 3000 und 640 v. Chr.). Sie liegt am Rande der heutigen iranischen Stadt Schusch und gilt als eine der ältesten durchgehenden besiedelten Städte der Welt. Nach biblischer Überlieferung soll sich der Prophet Daniel (in der Löwengrube!) bei seinem babylonischen Exil auch in dieser Stadt aufgehalten haben.

Von Susa aus zog Alexander der Große weiter nach Persepolis. Von hier aus unterwarf er das restliche Persien und ließ die königlichen Paläste niederbrennen. Heute zählen die Ruinen von Persepolis zu den herausragenden Stätten des UNESCO Weltkulturerbes. Als Darius III. letztendlich bei seiner langen Flucht übermannt und getötet wurde, zollte ihm Alexander der Große Respekt, indem er seinen eigenen Mantel über den Leichnam des letzten Königs des Achämenidenreiches ausbreitete.

Die bekanntesten Herrscher der Achämeniden waren sicherlich Darius I. und dessen Nachfolger Xerxes I., welche maßgeblich an der Ausweitung des Reiches beteiligt waren. In der westlichen Geschichtsschreibung tritt dieses riesige Reich jedoch meist nur als Gegenpart der Griechen auf (etwa 490 v. Chr. die Schlacht von Marathon und 480 v. Chr. jene von Thermopylen –  im Film “300” werden die Perser wenig schmeichelhaft vorgestellt). Wir besichtigen unter anderem die berühmten (in 3 Sprachen verfassten) Inschriften von Bisutun und die königlichen Gräber von Naqsch-e Rostam.

Mit dieser kleinen Ausführung bekommen wir eine Ahnung von der reichen Geschichte dieses unglaublich interessanten Landes und erfahren gleichzeitig etwas über einen Teil der Kulturlandschaft die auf dieser vielfältigen Rotel Tour erkundet wird. Und dabei bin ich noch gar nicht auf die Islamisierung des Landes im 7. Jahrhundert eingegangen, deren weitreichende Wirkungen noch heute in der Gesellschaft, in der Politik aber auch in der Baukunst des Landes (die zahlreichen tollen Moscheen seien hier hervorgehoben) zu erkennen sind.

Die Islamisierung bedeutete auch die Verdrängung des Zoroastrismus (deren mystischer Stifter, Zarathustra noch heute für viele das Idealbild eines Gelehrten verkörpert), der wohl ersten monotheistischen Religion der Welt. Auch hiervon gibt es noch zahlreiche Zeugnisse in Form von Schweigetürmen, Feuertempeln und einer kleinen Anhängerschaft (hauptsächlich in Yazd).

Gleichzeitig entstand mit der Islamisierung eine Art goldenes Zeitalter, deren bekanntesten Repräsentanten die Dichter und Gelehrten Saadi und Hafis sind. Die Mausoleen dieser beiden Persönlichkeiten stehen in Schiras. Wegen ihres Blumenreichtums wird diese Stadt auch als der Garten des Irans bezeichnet.

Im 13. Jahrhundert kam es zum Mongolensturm und dem Zwischenspiel des Ilchanats (Öldscheitü-Mausoleum in Soltaniye).

Unter der Dynastie der Safawiden wurde 1501 eine Ausprägung des Islams, das zwölferschiitische Bekenntnis, zur Staatsreligion erhoben. Heute schätzt man, dass sich  89 % oder gar 95% der knapp 80 Millionen Iraner zur Zwölfer-Schia Bekennen. Weltweit bilden jedoch die Sunniten die größte Glaubensrichtung im Islam.

1906, nach der konstitutionellen Revolution, erhielt Persien sein erstes Parlament und eine Verfassung. Als Staatsform wurde die konstitutionelle Monarchie festgelegt.
Die 1794 gegründete Kadscharen-Dynastie wurde 1925 durch die Pahlavi-Dynastie abgelöst. Beide Dynastien haben uns zahlreiche wundervolle Paläste hinterlassen, vor allem im Stadtgebiet von Teheran.

Unter der Pahlavi-Dynastie kam es, unter wachsendem ausländischen Einfluss, zu einer Säkularisierung und Modernisierung des Landes. Doch die autoritäre Regierungsform von Schah Mohammad Reza Pahlavi, der seinen Vater vom Amt ablöste, führte zum Umsturz des Systems und letztendlich zur Islamischen Revolution im Jahre 1979.

Mit der Rückkehr des im Exil lebenden Ajatollah Chomeinis wandelte sich der Iran in eine theokratische Republik, an deren Spitze der Religionsführer steht (bis zu seinem Tod 1989 war es Ajatollah Chomeini und danach Ajatollah Chamenei).

Der Iran ist ein wunderbares Reiseland voller Geschichte, Kultur und herrlichen Landschaften. Die Menschen sind unglaublich freundlich und interessiert. Selbstverständlich begegnen wir den Vorschriften im Land mit Respekt und halten uns an die Kleidervorschriften und das strikte Alkoholverbot. Man trifft im Iran auf eine unglaublich vielschichtige und vor allem offene Gesellschaft. Manchmal wird auf Englisch oder sogar Deutsch kommuniziert und wenn das nicht möglich ist, halt mit Händen und Füssen.

Wir bieten mit dem Rollenden Hotel eine 22-tägige „Große Iran-Rundreise“ an.

Es gibt wohl wenige Länder, in denen man sich als Tourist so willkommen fühlt wie hier.

Text und Bilder von Reiseleiter Oliver Pablo Bambach
 

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