Rotel Reiseblog

Eine Rotel Reise in Film- und Fernsehtiteln

Text von einem Rotelreisegast

Liebe Rotel-Redaktion,

auch wenn die Reise mittlerweise 16 Jahre zurück liegt, wird Sie diese Form der Berichterstattung sicherlich zum Schmunzeln bringen. Und manchen Leser auch. Ich fand den Bericht beim Stöbern durch meine Reiseerinnerungen. Es war eine wahrhaftig abenteuerliche und unvergessliche Fahrt! Der Bericht war übrigens mein Beitrag zum geselligen Abend am letzten Tag in Strassburg. Viel Vergnügen beim Lesen!

Herzliche Grüße

 
lrgendwann, an einem trostlosen Herbsttag im November 1999 träumte ich vom Film,

Ein Sommer in Paris und buchte die Reise „lle de France“ bei Rotel Tours.

Am 01. Juli 2000 war es dann so weit. Ich stand um 9.00 Uhr (viel zu früh) am Busbahnhof in Karlsruhe und wartete auf den Bus. Neben mir standen zwei Taxifahrer und unterhielten sich. ln diesem Moment kamen zwei Rotel Busse – aber nicht meiner. Der eine Taxifahrer fragte den anderen, ob er mit solch einem Gefährt Urlaub machen würde und ob die Leute wohl wüssten, was sie erwarte. Die kurze und trockene Antwort des anderen Taxifahrers „ich glaube nicht, Denn sie wissen nicht, was sie tun“ schockierte mich.

Dann endlich, pünktlich auf die Minute, rollte Karl mit seiner Herberge zur Glückseligkeit auf den Parkplatz und das Abenteuer konnte beginnen.

Am späten Nachmittag dann die große Suche nach dem Campingplatz in Straßburg. lrgendwo musste der verdammte Tunnel unter der Bahnlinie doch sein, durch den der Bus passte. Ich wähnte mich nach anderthalbstündiger Suche nach einem geeigneten Tunnel in Quo vadis? (Wohin gehst Du?), aber dann war es so weit. Mit dem untrüglichen Instinkt einer Frau fand Lilli das Schlupfloch für den Bus und ich erinnerte mich an den Film Einer kam durch.

Auf dem Campingplatz angekommen, verteilte Karl unzählige Wassereimer an die Reisenden und es bildete sich eine endlose Schlange von „Wasserträgern“. Ich sah mich an der Seite von Hans Albers in Wasser für Canitoga.

Und dann kam die erste Nacht in der Luxuskabine des Orientexpress! Ich wälzte mich unruhig von rechts nach links, Moskitos umschwärmten mich, die Blase forderte nach drei Dosen Bier ihren Tribut und um mich herum ein Schnarchkonzert ohne Ende. Ich empfand mich wie Schlaflos in Seattle. Gegen Morgen hätte ich schlafen können, aber eine ebenso schlaflose Person huschte aus dem Rotel in Richtung WC. Ich schaute aus meinem Tower im dritten Stock und sieh, es war Der Schattenmann. Dann stach der Moskito zu! Bei dem anschließenden Kampf mit ihm auf Leben und Tod stieß ich an die linke und rechte Wand des Rotels, der Kopf donnerte unter die Decke und ich fiel in Tiefschlaf (oder Ohnmacht) und träumte, ich sei Hauptdarsteller im Film Ein Mann geht durch die Wand.

Am Morgen wachte ich auf und schaute in die Gesichter meiner Kabinennachbarn. ln Duisburg habe ich Les Miserables (die Elenden) gesehen. Die Ähnlichkeit mit den Darstellern war verblüffend.

Am nächsten Tag- oh weh- erwachten wir mit einer Reifenpanne am Bus. Alle verfügbaren (männlichen Kräfte) wurden freundlich von Karl gebeten, beim Reifenwechsel zu helfen. So geschah es und nach einer Stunde konnte die Fahrt beginnen. Aber nochmals, oh weh! Nach einer weiteren Stunde war der nächste Reifen (diesmal am Rotel) hin.

Wieder wartete harte Fronarbeit auf die männlichen Reisenden und nun wurden die Aufgaben in militärischem Kommandoton verteilt. Ich schloß die Augen und wähnte mich im Strafbataillon 999. Die Sonne schien uns unerbittlich auf den Kopf, denn es war 12 Uhr mittags (oder etwas später).

Am dritten Morgen ging es nach dem Frühstück los nach Versailles. Das Schloss wartete auf uns, doch auf der Fahrt dorthin überraschte uns Der große Regen. Das Wasser lief durch Karls Fußpedal herein und an der Hintertür wieder heraus. Es schüttete aus allen Rohren und Blitz und Donner setzten uns heftig zu. Es fehlte nur noch der Eisberg und Leonardo Di Caprio, dann hätten wir schon einmal für eine Neuauflage von TITANIC proben können. Am Nachmittag waren alle müde und es wurde ruhig im Bus. Ich erinnerte mich an lngmar Bergmann und seinen Film Das Schweigen.

ln der folgenden Nacht litt ich erneut unter der Enge meiner Luxuskabine. Ich wälzte mich unruhig und es kamen Träume hoch von meinem Lieblingsschauspieler, dem blonden Hans von der Reeperbahn und ich wünschte mir, in seinem legendären Film Große Freiheit Nr. 7 eine tragende Rolle zu spielen.

Ach- und dann hatte ich noch einen Sitznachbarn, der sieben Tage lang sein Schicksal mit mir teilte. Wolfgang, genannt WOLF, er hieß nicht nur so, er benahm sich auch so! Immer, wenn ich mich unserer äußerst charmanten und alles wissenden Reiseleiterin Lilli auf weniger als 15 cm näherte, knurrte und bellte er, dem gleichnamigen Tier entsprechend. Und bei einer Distanz von weniger als 15 cm hätte er sich am liebsten in mich verbissen. Aber, Der mit dem Wolf tanzt muss auch auf Beißen gefasst sein. Nichtdestowenigertrotz habe ich in einem unbewachten Moment (Wolf war grade bei der abendlichen Raubtierfütterung) die Distanz von 15 cm unterschritten und befand mich in der darauf folgenden Nacht im Film Eine verhängnisvolle Affäre wieder. Von da wurde der Sicherheitsabstand vervierfacht

Und dann hatten wir noch einen Konstrukteur im Bus. Alois aus dem Bayrischen Wald. Er baute im Bus ein zusammenklappbares Fußbänkchen aus Sperrholz, dessen Einzelteile mittels genialer Konstruktion mit Gummibändern zusammengehalten wurden und das im fertigen Zustand äußerst belastbar war. Während der ganzen achttägigen Reise arbeitete er an technischen Zeichnungen für die Serienfertigung. Klar, dass mich dies an den großartigen Film Leonardo erinnerte.

Lilli und Karl waren übrigens in jeder Situation Ein starkes Team.

ln den letzten beiden Tagen mit viel Regen und wenig Schlaf verfolgte mich nur noch ein

Gedanke und ein Filmtitel: ET … nach Hause…!

Aber vor das Ende der Reise hatte Lilli noch eine schreckliche Prüfung gesetzt. Sie testete unsere Aufnahmefähigkeit und Aufmerksamkeit mit einem Quiz in der Art von EWG – einer wird gewinnen.

Ich wurde fünfter, Wolf behauptete letzter! So ist er nun mal.

So, das war’s. Am Ende der Reise haben wir für Lilli und Karl ein bißchen gesammelt und sie erhalten nun im roten Rotelsäckchen den gerechten Lohn der Angst.

Die alles trug Euch, liebe Anwesenden, vor:

Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh.

 

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