Rotel Reiseblog

Eine Expeditionsreise unter der Sonne Afrikas

Eines ist sicher: zurück von einer spannenden, intensiven Expeditionsreise gibt es so viele Eindrücke zu verarbeiten, Bilder zu sichten, Erlebnisse einzuordnen, Erinnerungen ins Gedächtnis zu rufen, dass man gar nicht weiß, wo man beginnen soll, wenn man über solch eine Reise berichtet. Beginnen wir am besten bei den nackten Tatsachen. Ich spreche von der Reise Nr. 45, der „Großen Safari durch Kenia und Tansania mit Insel Sansibar“ mit Rotel Tours. 

Sie wurde von 14. Juli bis 4. August 2017 durchgeführt und führte uns von Kenias Hauptstadt Nairobi quer durch zahlreiche Nationalparks bis nach Dar es Salaam am Indischen Ozean; abgeschlossen wurde die Reise mit einer Fährüberfahrt auf die Gewürzinsel Sansibar mit dortiger Übernachtung in einem schönen Strandhotel. Reiseleiterin war Katrin Haas, Busfahrer Karl „Charlie“ Wilhelm, insgesamt waren 18 Gäste mit dabei, 15 Deutsche, zwei Österreicher und ein Gast aus der Schweiz.

Vielleicht beginne ich gleich mit der persönlichen Einschätzung der Expeditionsreise

Sie war gewiss eines der schönsten Reiseerlebnisse, die ich bislang hatte, und dies lag an mehreren Faktoren. Ich beginne mit Reiseleitung und Fahrer. Charlie Wilhelm ist ein Fahrer, wie man ihn sich vorstellt und wünscht. Solide, unaufgeregt, verlässlich und verantwortungsbewusst. Das Terrain in Afrika ist teilweise unglaublich schwierig zu befahren. Staub, Regen, Spurrinnen, Steine, teilweise wahnwitziger Gegenverkehr fordern höchste Konzentration, Charlie meisterte seine Aufgabe souverän. Was kann man besseres über einen Fahrer sagen, als das, dass wir uns im Bus in keiner Sekunde der Reise unsicher gefühlt haben! Danke, Charlie!

Ein Kapitel für sich ist Katrin Haas, die mit unglaublicher Energie und Liebe ihre Arbeit macht. In vielen, vielen Jahren als Rotel-Reiseleiterin in Afrika weiß sie, dass man – einmal in Afrika angekommen – gewohntes europäisches Denken hintanstellen soll und in vielen Bereichen andere Sichtweisen einbringen muss. Vorbehaltlos breitete sie ihr umfangreiches Wissen vor uns aus und wir erfuhren vieles, das man in keinem Reiseführer nachlesen kann. Nein, sie trägt ihre Gäste nicht mit Samthandschuhen durch Afrika, aber ihre  herzliche, ehrliche und menschliche Art macht eine Reise mit ihr zu einem echten Erlebnis. Wo sie auftaucht, ist sie sofort von unzähligen strahlenden Gesichtern umringt, man könnte fast meinen, ganz Afrika kennt und liebt sie. Sie redet nicht um den heißen Brei herum und erklärt ihren Gästen ganz genau, was Sache ist. Sie hat jederzeit ein offenes Ohr für Anliegen ihrer Gäste, und wo es machbar und sinnvoll ist, wird sie sie erfüllen. Schöne Erlebnisse mit unserer Reiseleiterin hatten wir zahlreiche. Hervorzuheben ist die Geburtstagsfeier, die wir mit ihr und für sie organisierten. Sie feierte während der Reise ihren 50. Geburtstag, und als Geschenk konnten wir ihr ein selbstgemachtes Buch überreichen, wo jeder Reisegast ihr ganz persönliche Worte hineinschrieb. Katrin revanchierte sich mit einem Festessen. Es war ein wunderschöner Abend. Übrigens wurde von ihr auf dieser Reise ganz hervorragend gekocht, als wir müde von der Kilimanjaro-Wanderung zurückkamen, gab es z.B. Wiener Schnitzel! Ein tolles Erlebnis für mich war es auch, als ich mit Katrin im Tuk Tuk durch Dar es Salaam bretterte um die Fährkarten für die Überfahrt nach Sansibar zu besorgen. Straßenverhältnisse, Verkehr, Eindrücke, Gerüche….unglaublich. Katrin hat keine Angst vor Autoritäten und bescherte uns damit immer wieder coole Erlebnisse.

Eines von vielen: Auf einem Highway wurden wir plötzlich von einer Polizeisperre gestoppt, ein Nagelbrett wurde auf die Straße gelegt, ein Polizist schreit: „Money, Overspeeding!“ Wir sollten wegen überhöhter Geschwindigkeit ordentlich bezahlen, obwohl wir die Geschwindigkeit nicht übertreten hatten. Charlie steigt mit dem Geld aus, da reißt Katrin die Tür auf, stürmt hinaus auf die Straße und fordert lautstark einen Beweis, dass wir die Geschwindigkeit übertreten hätten. Natürlich gab es keine solchen Beweise und als sie nach dem Polizeichef rief, hörten wir nur ein verärgertes „Go, Go“ und wir fuhren weiter. Charlie – und somit Rotel –  durfte das Geld behalten! Solche Erlebnisse gab es zahlreiche und es würde den Rahmen sprengen, sie hier alle aufzuzählen, sie sind in den Herzen der Gäste gespeichert.

Kommen wir zu den Sehenswürdigkeiten auf dieser Expeditionsreise:

Zum einen sind es die Wildbeobachtungsfahrten in den Nationalparks, jeder einzelne für sich sehenswert. Im Norden Kenias unternimmt man mit einheimischen Jeeps Fahrten durch den wunderschönen Samburu-Nationalpark mit großen Chancen, aus unmittelbarer Nähe Leoparden beobachten zu können. Der Aufenthalt zu Mittag auf der Samburu Lodge ist einmalig. Herrliche frischgepresste Fruchtsäfte in einer urigen Lodge direkt am Fluss, in dem sich Krokodile auf Sandbänken sonnen. Ein weiterer Nationalpark, der durchquert wird, ist der Nakurusee-Nationalpark, dort wiederum ist die Chance groß, Nashörner zu sehen. Wir hatten auch dieses Glück. Safari-Highlights sind selbstverständlich auch die „großen Drei“: Masai Mara, Serengeti und der Ngoro-Ngoro-Krater. Alle drei mit speziellen, wunderschönen landschaftlichen Charakteristiken und reichhaltiger Tierwelt. Ein unglaubliches Erlebnis war der Aufenthalt am Mara-Fluss, wo sich wenige Tage vor unserer Ankunft eine alljährliche Tiertragödie abgespielt hatte. Auf ihrem Weg von der Serengeti in die Masai Mara müssen hier abertausende Gnus, Zebras und Büffel den Mara-Fluss überqueren und dort warten dann Krokodile, Löwen, Hyänen und andere, dass sich ihnen ihre Beute quasi ins Maul schiebt. Als wir dort ankamen, war dieses Gemetzel schon vorbei, die Überreste von mehr als 200 Tieren lagen im Wasser und verbreiteten einen unbeschreiblichen Gestank. Am Ufer lagen Krokodile, die Luft war erfüllt vom Geschrei der unzähligen Geier. Am selben Tag hatten wir ein anderes, unvergessliches Erlebnis. Am Abend, auf der Fahrt zu unserem Übernachtungsplatz, überraschte uns plötzlich ein schweres Gewitter, innerhalb weniger Minuten war von einer Straße nichts mehr zu sehen, den Übernachtungsplatz würden wir nicht mehr erreichen. Was tun? Wie aus dem Nichts tauchte ein Bauwerk mit chinesischen Schriftzeichen auf, ein Hotel, eine Unterkunft für chinesische Bauarbeiter mitten in der Masai Mara! Katrin fragte an, ob wir dort übernachten könnten. Zwei Hotelzimmer zum Duschen wurden angemietet, und als wir das unscheinbare Gebäude betraten, trauten wir unseren Augen nicht. Menschenleer zwar, aber eine riesige Disco mit Leuchteffekten, Glasboden und ein Großbildschirm mit Musikvideos und Karaokemöglichkeit. „Abba, SOS“ dröhnte aus den Lautsprechen, eine Kiste Bier stand wie aus dem Nichts plötzlich da und im Freien wurden für uns Unmengen an Ziegenfleischspießen gegrillt. Was für ein Abend, der noch eine Krone aufgesetzt bekam, als ein Chinese plötzlich eine Gitarre herbrachte und uns zum Spielen aufforderte. Bis spät in die Nacht hinein spielte ich dann im Chinesenhotel in der Masai Mara deutsche Schlager aus den 60-er und 70-er Jahren! Ein bizarres, unvergessliches Erlebnis für alle, die dabei waren. Aus meiner Erfahrung ist es so, dass es gerade solche Erlebnisse sind, die eine Reise zusätzlich würzen und  – abgesehen von den vorgegebenen Eckdaten – zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Und solche Sachen gab es einige auf dieser Reise.
Selbstverständlich ist auch die Landschaft an sich großartig und beeindruckend. Sie erlebt man nicht nur auf den Safarifahrten, es ist auch eine Wanderung im Kilimanjaro-Schutzgebiet vorgesehen, da kann man sich zwischen einer längeren und einer kürzeren Variante entscheiden. Wunderschön sind auch die verschiedenen Lichtstimmungen abends und morgens, besonders am Victoriasee und am Indischen Ozean. Die verschiedenen Übernachtungsplätze direkt am Wasser sind einmal nach Osten, einmal nach Westen ausgerichtet, sodass man Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge erlebt. Nur sollte man auch Frühaufsteher sein, denn was nützt der schönste Sonnenaufgang, wenn man nicht aufsteht!
Natürlich muss man auch einiges an Kilometern (und damit auch an Staub) schlucken, um von A nach B zu kommen. Die vielen interessanten Eindrücke während der Fahrt lassen aber keine Langeweile aufkommen. Es spielt sich praktisch alles im Freien ab. Unglaublich, welche Sachen alle so angeboten werden: Am Straßenrand stapeln sich Motorersatzteile, Bettgestelle, zusammengebundene Haufen von Hühnern, Särge… ein Potpourri an skurrilen Eindrücken zieht an einem vorbei. Zahlreiche Treffen mit Einheimischen prägen diese Reise. Zum einen sind es die im Programm ausgewiesen Punkte, wie z.B. der Besuch eines Masai Dorfes, zum anderen sind es die zufälligen Begegnungen am Straßenrand, wenn der Bus hält und unsere Reiseleiterin für das Abendessen frisches Gemüse und andere Dinge einkauft. Eine gelungene Reise steht und fällt natürlich auch mit der Harmonie innerhalb der Gruppe. Da hatten wir wirklich Glück, so eine rücksichtsvolle, humorvolle und energiegeladene Reisegesellschaft habe ich selten erlebt.

Mein Fazit:

Nun, wer Afrika in vielen Facetten intensiv erleben möchte, ist bei dieser Expeditionsreise mit Rotel Tours gut aufgehoben. Begeisterte Fotografen werden Fotomotive in Hülle und Fülle finden. Freilich bedarf es einiger Reisevorbereitungen, man muss Impfungen über sich ergehen lassen und das Thema Malariaprophylaxe steht auch im Raum. Hier muss ich sagen, dass es auf unserer Reise keinen einzigen Krankheitsfall gab, ein Gast klagte anfangs über etwas Halsschmerzen, ein anderer am Ende der Reise über Kopfschmerzen, das war aber auch schon alles; kein Durchfall, kein Fieber nichts! Super!

Zum Abschluss einige spezielle Tipps, was man mitnehmen könnte, falls jemand diese Reise plant:

Stirnlampe, Toilettenpapier, für Fotografen ist es nicht ratsam, mit großen, teuren, auffälligen Vollformatkameras über die Straßenmärkte zu gehen. Begehrliche, aber auch verärgerte Blicke werden die Folge sein. Ich würde hier eine kleine, unauffällige, staub- und spritzwassergeschützte Outdoorkamera (eventuell als Zweitkamera) empfehlen. Für die Safaris ist ein gutes Fernglas nicht von Nachteil. Für Straßenhändler ist es sinnvoll, immer ein bisschen Kleingeld zur Hand zu haben. Aufs Handy könnte man für die längeren Fahrtstrecken afrikanische Musik laden, im Bus gibt es keinen CD-Player. Ein Karabiner, den man am Busgriff einhängt, hat mir gute Dienste geleistet, um gewisse Dinge (Jause, Getränk…) schnell zu verstauen, aber auch griffbereit zu haben. Für die Abende ist es manchmal recht nett, am Tisch eine Kerze anzuzünden. Kinder freuen sich sehr, wenn man ihnen eine Süßigkeit gibt, die könnte man von zu Hause mitnehmen oder auch in den dortigen Supermärkten kaufen. (Zum Thema „sinnvoll schenken“ hat Katrin Haas übrigens einen eigenen Blogbeitrag geschrieben) Ein Reisegast hatte eine Sofortbildkamera mit, so konnte sie den Menschen, die sie fotografierte, sofort ein Bild ausdrucken und schenken. Das sorgte für Begeisterung! Ein anderer Reisegast brachte von zu Hause T-Shirts mit, die er an Kinder verteilte. Ein sogenanntes „Schweizermesser“ mit Bieröffner, Korkenzieher…ist kein Nachteil, die frischen Früchte, die man am Markt kauft (Mangos, Papayas,, Orangen….) sind nicht immer leicht zu schälen. Und wer beim Rückflug von Dar es Salaam nach Adis Abeba den Kilimanjaro sehen will, der sollte links einen Fensterplatz buchen!

Mir bleibt noch übrig, mich bei meinen Mitreisenden zu bedanken, gemeinsam haben wir die Reise für alle zu einem wunderschönen Erlebnis gemacht. Großer Dank ergeht natürlich auch an das Fahrer-Reiseleiterteam für die grandiose Betreuung auf dieser Expeditionsreise. Und zu Guter Letzt möchte ich auch den Mitarbeiterinnen im Rotel-Büro herzlich Danke sagen, im Vorfeld der Reise wurde ich stets freundlich und kompetent beraten.

Text und Fotos von Karl-Heinz Schein

Wer noch mehr Bilder von dieser Expeditionsreise sehen möchte, kann sich das Flickr-Album von Herrn Schein mit fast 4000 Fotos anschauen. Sehr empfehlenswert!

 

 

 

1 KommentarHinterlassen Sie einen Kommentar

  • Ein toller Reisebericht, lieber Karl-Heinz! Die Fotos, der Hammer! Da ich letztes Jahr die Reise gemacht habe, war ich wieder dorthin versetzt! Leider war meine Gruppe nicht so der Harmonie angetan, schade.
    Katrin und Charly sind sowas von genial!

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