Rotel Reiseblog

Cornwall und der Süden Englands

von Roland Kordy

Fisch, Zinn und Kupfer – Cornwall, der westlichste Zipfel Großbritanniens, ist seit Jahren das wohl beliebteste Reiseziel auf der Insel. Bergbau, Abgeschiedenheit, Golfstrom, Rosamunde Pilcher, Tourismus, vieles was unvereinbar scheint, kommt hier zusammen.

Als der Trinkspruch  Fisch, Zinn und Kupfer noch aus den Pubs ertönte und in Gedanken vieler noch Schmuggel hinzugefügt wurde, da war Cornwall noch rau. Jahrtausende lang versorgte das kleine Land erst Europa dann die ganze Welt mit seinen Metallen. Die Römer besetzten deshalb gleich fast die ganze Insel. Im 20. Jhd. ging es dann langsam bergab und die Thatcherjahre trugen den cornischen Bergbau schließlich zu Grabe. Abwanderung war eine der Folgeerscheinungen. Doch zeitgleich wollten immer mehr Menschen diese Region sehen und verstehen.

Auch wir bewegen uns schon seit langem im Südwesten, seit 2014 auch auf einer neuen Garten- und Wanderreise. So können wir in den schönsten Teilen des Landes teils lange Wanderungen unternehmen, an den berühmten Steilküsten genauso wie in den Mooren.  Wer einmal am Ärmelkanal die Kreidefelsen der Seven Sisteres von Eastbourne her kommend gelaufen ist oder die Cheesewrings im Bodminmoor erklettert hat, der weiß warum die Briten so große Outdoor Fans sind.  Übrigens sind die Seven  Sisters die höchste Klippenlandschaft  und das Bodminmoor das kleinste der drei Moore in Großbritannien. Die Gärten sind eine Wucht. Bedingt durch das Mikroklima gedeihen hier Pflanzen die man in Europa einfach nicht vermutet. Auf einmal steht man zwischen Baumfarnen und Fuchsienhecken, die mehrere Meter Höhe erreichen. Mal sind die Gärten eher wie Urwälder, mal akribisch gepflegt und geordnet, mal ganz klein und mal als gigantische Parkanlage angelegt, das man sogar mit dem Zug hindurch fahren kann. Bilder und nicht nur die Spuren, die die goldene Zeit des Empires hinterlassen hat, können wir täglich sehen, zu denen auch die meisten  Gärten gehören.

Im Zeichen des Wandels steht die Großstadt Bristol, Bath mit seinem vom Palladianismus geprägtem Baustil und seinem berühmten römischen Bad. Hever Castle und das Drama Heinrich des  VIII. und seiner 6 Frauen, einem der wichtigsten Könige des Landes. Der Landsitz des Markgrafen von Bath  in Longleat, Brighton, beliebter Badeort mit seinem Märchenschloss. Eichenwälder, Heideteppiche und Wildpferde gehören genauso zum Programm wie kleine Fischerdörfer und Künstlerkolonien oder  ein kompletter Tag in London. Genau dort starten wir auch unsere Rundreise durch den Süden. Im Vergleich zu Deutschland läuft im Süden Englands nicht nur der Verkehr andersherum. Mit viel Ruhe und Gelassenheit läuft der Verkehr außerhalb Londons. Autobahnen gibt es so gut wie gar nicht, und je weiter die Fahrt nach Westen geht desto kleiner und schmaler werden die Straßen. Geduldig warten die Autofahrer an Ausweichmöglichkeiten  aufeinander oder setzten zu solch einer zurück. Die berühmten Hecken zu versetzten und die Straßen zu verbreitern ist man nicht gewillt. Hier kommt uns unser Rotel zu Gute. Die meisten Auto- und Wohnmobilfahrer sehen nämlich nicht viel. Erst im Reisebus sitzt man auf einer Höhe, die es erlaubt über die Hecken zu schauen, die wichtige Lebensräume für die heimische Tierwelt darstellt.  So  sehen wir nicht nur Felder sondern auch die Moore mit ihren Schafherden und Wildpferden. In der Nähe des berühmten Stonehenge, das wir selbstverständlich besuchen, bekommen immer die riesigen Ackerflächen auf denen Schweine  gehalten werden, besondere Aufmerksamkeit.  Dass denen das Leben Spaß macht, kann man gut vom Bus aus beobachten.  Die kurzen Fahrten zwischen den einzelnen Zielen sind sehr abwechslungsreich und mitunter geht es schon mal 20% Steigung rauf und runter.

Nach einem ereignisreichen Tag  kommen wir abends auf den Campingplatz. Die Briten lieben Camping und so ist auf den Plätzen auch immer was los. Unser 24 Sitzer wird natürlich gemustert und meist als „amazing“ und „never seen before“ bezeichnet, also als toll und noch nie zuvor gesehen. Kontakte sind  schnell hergestellt. Das Schöne an den Campingplätzen ist, dass diese perfekt sind. Die Sanitäranlagen sind top und meist liegt der Platz auch wunderschön. An einem  der längsten Sandstrände Cornwalls oder direkt am Rande des Dartmoors an einem flachen Schwarzwasserbach. Mal in den Eichenwäldern des New Forest,  mal an einem gemütlichen Cottage wie Porlock. Keine 4 Minuten zu Fuß und man erreicht einen 1000 Jahre alten Pub, an dessen schiefen Wänden schon die Schmuggler ihre Beute aufteilten. Auch der Stadtcamping von London mit seinen riesigen Bäumen überzeugt und wer hätte gedacht dass ausgerechnet dort am ehesten der Fuchs zu sehen ist. Direkt am Avon gelegen ist der Campingplatz von Bath. Am Fluss lässt es sich schön spazieren gehen, ein Bootshaus lädt zum Tee oder einem Pint ein, während draußen die Hausboote auf dem Fluss vorbeiziehen. So kann man die Abende genießen und wenn man morgens nach dem Aufstehen nur ein paar Schritte zu gehen braucht, um das Meer zu sehen, die Möwen kreischen hört und die Sonne aufgehen sieht,  weiß man, man ist mit Rotel auf Reisen.

 

 

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